Montag, 6. Juli 2015

Brief an meine Große


Mein liebes, großes Kind, 

heute ist es exakt 10 Jahre her, dass du das Licht der Welt erblickt hast.
Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, nach einer langen und schmerzhaften Geburt endlich DICH in den Armen gehalten zu haben. Ein Blick auf mein kleines, zartes, vollkommenes Mädchen und all die Anstrengung war vergessen. 



Aufregend und neu waren die ersten Wochen mit dir. Du hattest Koliken und hast viel geweint, doch nach einigen nervenaufreibenden Wochen waren deine Schmerzen verschwunden und du hast vor allem eines: Gelächelt. Ich weiß noch, als wäre es erst gestern gewesen, wie ich dich eines Tages kitzelte und mit dir spielte und dein erstes lautes, glucksendes Lachen durchs Wohnzimmer schallte während du mich mit großen Augen anstrahltest. Dieser Moment wird für immer seinen festen Platz in meinem Herzen haben, denn in ihm spürte ich zum ersten Mal, welcher Mensch du sein würdest und wie sehr ich dich dafür liebe.

Viel haben wir erlebt in den vergangenen 10 Jahren. Picknick im Garten und am See, Fahrradtouren, Spaziergänge, bei denen wir nach Feldmäusen suchten, Weihnachten, Geburtstage, Urlaube, große Anlässe und kleiner Alltag. An all unsere Erlebnisse erinnere ich mich gerne zurück und wundere mich trotzdem heute: Wo ist die Zeit geblieben?

Aus dem strahlenden Baby wurde ein stolzes Kindergartenkind, das Feen liebte, Filly-Pferdchen sammelte und mich gerne mit Selbstgebasteltem überraschte. Aus meiner Prinzessin wurde ein großes Schulkind, das verantwortungsbewusst und reflektiert begann, seinen Alltag selbstständig zu meistern. Eine große Schwester ist aus dir geworden und auch das ließ dich reifer, verständnisvoller und so viel größer werden. Ein gutes Vorbild warst du immer, eine enorme Hilfe und ein Sonnenstrahl im hektischen Alltag. All die Herausforderungen, die du bereits meistern musstest, hast du angenommen und mit Bravour bewältigt. Viele Veränderungen unserer Lebensumstände hast du erlebt, und sie stets mit deiner unbefangenen Fröhlichkeit angenommen und selbst dafür gesorgt, dass jede Veränderung auch zu einer Verbesserung wurde. 


Vor einem Jahr hast du einen großen Teil deines kleinen Lebens hinter dir gelassen. Du hast dich verabschiedet von Schule, Familie, Freunden, deinem geliebten Kinderzimmer und der Welt, wie du sie kanntest. Über 2000 Kilometer bist du mit uns gereist und hast offen und neugierig dein neues Zuhause erkundet.
Ich weiß, dass du viele Ängste und Zweifel hattest. Doch du bist mit ihnen zurechtgekommen und hast mit deiner positiven Art mal wieder das Beste aus der Situation gemacht. In einem fremden Land mit einer neuen Sprache hast du es geschafft, innerhalb weniger Tage Menschen von dir zu begeistern und neue Freunde zu gewinnen. Ganz alleine machtest du dich auf den Weg, unsere Nachbarschaft zu erkunden und Kontakte zu knüpfen. Und ganz alleine bist du an deinem ersten Schultag mit einem fremden Bus durch eine fremde Stadt gefahren, hast ein fremdes Gebäude betreten und dir zwischen fremden Lehrern und fremden Mitschülern mit fremder Sprache deinen eigenen Platz gesucht und ihn gefunden.


Heute kann ich kaum glauben, wie groß du in deinem letzten Lebensjahr geworden bist. Du bist nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch über dich selbst hinaus. Binnen weniger Monate hast du eine neue Sprache gelernt. Für mich ist es immer noch unbegreiflich, mit welcher Lässigkeit du auf Englisch mit Freundinnen telefonierst und reflektierte Gedanken zu Papier bringst. Mein kleines Mädchen ist jetzt groß! Auf Türkisch ziehst du alleine los, um einzukaufen. Auf Englisch arbeitest du online an Projekten, als hättest du nie etwas anderes getan. Du wischst dein Zimmer und züchtest Gemüse auf deinem Balkon. Du machst mir Rührei zum Frühstück und zeichnest, dass mir der Mund offen stehen bleibt. Du liest "Harry Potter" innerhalb weniger Tage und schreibst eigene Songs und Gedichte. Du schaust mit mir "Der Herr der Ringe" und holst mich beim Wettschwimmen ein. Du hast deinen eigenen, bunten Stil entwickelt und stellst kluge Fragen. Du engagierst dich aus eigenem Antrieb für Flüchtlinge, Erdbebenopfer und Frauenrechte. Du interessierst dich für Tiere und Menschen, Kulturen und Religionen. Verantwortungsvoll hältst du dich auch während meiner Abwesenheit an Absprachen und machst abends immer pünktlich das Licht aus.


Auch wenn es (d)eine Mama immer ein bisschen wehmütig stimmt, zu sehen, wie schnell die Zeit vergeht und wie ihre Kinder Stück für Stück aus ihrer Kindheit wachsen, möchte ich dir heute aus tiefstem Herzen etwas ganz Wichtiges sagen: Ich bin wahnsinnig stolz auf dich!
Auf mein 10-jähriges, großes Mädchen, das ein wunderbarer Mensch ist. Darauf, dass du verantwortungsbewusst und mitfühlend bist, kreativ und klug, neugierig und respektvoll, tolerant und selbstbewusst, fröhlich und offen, ehrlich und liebevoll. Ich wünsche dir zum Geburtstag nur das Beste und dass du weiterhin auf diese wunderbare Weise deinen eigenen Weg gehst!


Happy Birthday!

 

Freitag, 3. Juli 2015

Unser Familienurlaub in Ägypten



Zwischenstopp während eines Schnorcheltrips (kein Filter, ehrlich wahr!)

Seit einigen Tagen sind wir unn schon wieder zu Hause, allesamt gut erholt.
Wie angekündigt haben wir dieses Jahr mal einen Kurzurlaub der (für uns) anderen Art gemacht: Hotel, All Inclusive, keine tagfüllenden Programmpunkte, Ruhe.
Für viele mögen 5 Tage eine kurze Zeit für Urlaub sein, doch ich muss gestehen: Die Ruhe war zwar schön, länger hätten wir es trotzdem nicht ausgehalten.
Vor allem für mich war es eine willkommene Abwechslung, mal nicht zu putzen, einzukaufen, zu kochen oder zu organisieren. Ich war sogar 5 Tage komplett offline, was für mich auch aus beruflichen Gründen schon sehr lange nicht mehr möglich war (zuletzt 2012 wenn ich mich recht entsinne).
Angenehm leere Strände in der Nebensaison
Wir haben also getan, was vom deutschen Klischeeurlauber erwartet wird: Wir haben uns in der Sonne geaalt (allerdings gut eingecremt, wo wir zwischen roten Rücken doch etwas herausstachen), uns mehrmals am Tag am Büffet bedient und im Ausland sogar zum ersten Mal auf deutsch bestellt.
Nachdem ich am Tag der Ankunft noch meine Nase rümpfte über Urlauber, die morgens um 10 Uhr bei 38 Grad "Kann ick noch zwee Biiier?" über den Tresen brüllten, fand ich mich bereits am zweiten Tag nach dem Mittagessen mit Gin Tonic an der Poolbar wieder. Mitgehangen, mitgefangen.

Mein Mann und ich gönnten uns im preiswerten Spa sogar ein  zweistündiges Verwöhn-Programm während die Kinder voller Begeisterung vom Personal mit "Knutschfischen" beschäftigt wurden. Dieser Ausdruck ist übrigens auf meinem Mist gewachsen. Ich brachte es einfach nicht übers Herz, der Kleinen zu beichten, dass diese Fische sie nicht küssten, sondern Haut von ihren Füßchen knabberten.

Hauptattraktion: Ein Seestern
Ansonsten ließen wir die Tage einfach kommen und gehen. Der Zwerg verausgabte sich allabendlich auf der Showbühne bei der Tanzaufführung mit dem Mini-Club, die Große freundete sich mit einigen ägyptischen Mädels an und der Mann und ich stellten an Tag 3 fest, dass ein zweiwöchiger Urlaub dieser Art, wie ihn die meisten Urlauber dort gebucht hatten, wohl mehr Tortur als Erholung für uns wären. Wären wir aufgrund der Sicherheitslage nicht besorgt gewesen,  hätten wir mit Sicherheit noch Tagestouren durch die Wüste oder zu den Pyramiden gebucht. So kam es dann "nur" zu einem 6-stündigen Schnorcheltrip. Dieser war dennoch ein Highlight für die ganze Familie.

Was uns insgesamt zum Urlaubs-Feeling fehlte, war einheimisches Essen, eine neue Sprache zu hören und eine fremde Kultur aufzusaugen. Etwas wettmachen konnte unsere Sehnsucht ein sehr netter Angestellter des Spas, der uns jeden Abend zum Iftar-Essen der Belegschaft einlud. Wir folgten seiner Einladung und wurden nicht enttäuscht. Auf Handtüchern saßen wir nach Sonnenuntergang auf dem Boden und aßen dort das mit Abstand beste Essen des gesamten Urlaubs (das Buffet im Hotel war gut, nur eben etwas fad und sehr europäisch). Und so hat Ägypten doch einen kleinen, bleibenden Eindruck hinterlassen.

FAZIT: Gerne wieder mal All Inclusive, Pool, Strand und Miniclub. Aber nur kombiniert mit Erkundungstouren und etwas Kultur ;-).