Dienstag, 10. März 2015

Wie ich unfreiwillig zur Google-Doctor-Mom mutierte



Der harmlose Schein trügt: Diese Schildkröte ist bei mir unten durch...

Eigentlich bin ich kein Fan von dilettantischen Selbst-Diagnosen und Internet-Hysterie.
Jede Mutter, deren Kinder zu später Stunde oder am Wochenende gelegentlich kränkeln, kennt das Dilemma mit dem Internet. Da googelt man nur mal eben schnell nach einem passenden SOS-Hausmittelchen, bis die nächste Apotheke oder der Kinderarzt wieder offen hat, landet in diversen Eltern-Foren und sieht sich am Ende mit lebensgefährlichen Panik-Diagnosen konfrontiert.

Als wir noch in Deutschland lebten, konnte ich über diese hysterischen Internet-Eltern nur lachen. Für Eltern, die Fotos von Hautausschlägen ihrer Kinder machen und diese in sozialen Netzwerken posteten um sich dann durch 784 Kommentare von Laien zu scrollen, hatte ich nur ein verständnisloses Kopfschütteln übrig. Ich war eher der Typ Mutter, der sich von einem Schnupfen nicht aus der Ruhe bringen ließ, sich bei schwerwiegenderen Symptomen an den Kinderarzt ihres Vertrauens wandte und dessen Diagnose und Behandlung nicht in Frage stellte.
Seit wir in Istanbul leben stellt sich das ganze jedoch etwas schwieriger dar.
In der Apotheke bekomme ich nicht problemlos die Medikamente, die ich aus Deutschland kenne und der im Allgemeinen eher leichtsinnige Umgang der Türken mit starken Medikamenten (auch unter Ärzten) stimmt mich nicht unbedingt vertrauensvoll.

Das Protokoll einer verzweifelten Mutter, die so eigentlich nicht NIEMALS enden wollte:

Dienstag, 3. März 2015

Das Streben nach Anerkennung

Wir geben ein klassisches Bild ab
Andrea von Rünzelfüsschen hat sich mal wieder an ein heikles Thema gewagt: Aufgabenverteilung unter Eltern und viel weiter noch: Wie diese vom Umfeld bewertet wird. In ihrer Blogparade "Superväter und Normalomütter" prangert sie an, dass viele Aufgaben rund um Haushalt und Kinderbetreuung unterschiedlich gewertet werden, je nachdem ob Mama oder Papa sie übernehmen.

Wir leben ein klassisch konservatives Modell

 

Auch meine Familie und mich begleitet das Thema seit etlichen Jahren. Aufgrund unterschiedlicher berufliche Herausforderungen auf beiden Seiten mussten wir unsere Aufgabenverteilung und unser jeweiliges Arbeitspensum immer wieder neu verteilen und aushandeln. Inzwischen haben wir eine eher konservative Rollenverteilung: Mein Mann ist der Hauptverdiener, ich tingle mit der Familie durch die Welt seinem Job hinterher und versuche mich beruflich wie privat immer wieder unter den gegebenen Umständen neu auszurichten, die Familie zusammen und den Laden "am Laufen" zu halten.

"Da musst du Mama fragen..."

 

Mein Mann hat keine regelmäßigen Arbeitszeiten, "verschwindet" mal für 12 Stunden, mal für 3 oder 4 Tage und hat weder ein klassisches Wochenende, noch gesetzliche Feiertage. Dies alles hat über die Jahre dazu geführt, dass sich die Aufgabenverteilung zu Hause immer wieder veränderte und letzten Endes Hausarbeit und alles rund um Kinderbespaßung und regelmäßig anfallende, organisatorische Familienaufgaben auf meinen Schultern lastet. Nicht, weil mein Mann sich dagegen sträubt, sich einzubringen. Sondern einfach deshalb, weil ich immer verfügbar bin. Weil ich mein Arbeitspensum und meine Arbeitszeiten nach Kinderbetreuungszeiten ausrichte. Weil ich tagtäglich vor Ort bin und den Überblick darüber habe, welches Kind an welchem Tag kostümiert irgendwo erscheinen muss, welche Geburtstagsgeschenke bis wann für welchen Kindergeburtstag aufgetrieben werden sollten, welche Hausaufgaben und Projekte bis zu welcher Deadline anstehen, wer neue Winterstiefel braucht oder 30 Muffins mit in den Kindergarten bringen soll. Mit all diesen Dingen habe ich mich arrangiert. Schließlich wusste ich immer, dass ich keinen Mann geheiratet habe, der sich mal spontan den Vormittag frei nehmen oder jeden Abend zu Hause sein kann.
Wenn da mal nicht die Sache mit der Anerkennung wäre.

"Einmal Wertschätzung mit Extra-Glitter, bitte!"

 

Das Streben nach Anerkennung steckt wohl in unserer Natur. In der der Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen. Männer, die Vollzeit arbeiten, haben meist keinen Zweifel daran, etwas Sinnvolles und Wertvolles zu leisten. Unsere Kinder ernten im Idealfall einen Sturm der Begeisterung für sämtliche erbrachten Leistungen, egal ob es sich um undefinierbares Gekrakel oder Exkremente handelt, die in den dafür vorgesehenen sanitären Anlagen platziert wurden. Und das ist auch gut so.
Übrig bleiben oftmals die Frauen. Wer (auch) Hausfrau und Mutter ist, das habe ich recht schnell realisiert, bekommt nicht allzu viele stehenden Ovationen. Selbst wenn mit sprechenden Pflastern auf aufgeschlagenen Knien oscarreife Arbeit geleistet wird.
Kinder haben hohe Ansprüche und sehen nicht, welcher teils horrende Aufwand hinter der Erfüllung ihrer Wünsche steht. Und damit meine ich nicht finanzielle Aspekte und die Kinder, die sich "nur" ein Iphone zu Ostern wünschen. Damit meine ich das Gefühl, das einen als Mutter beschleicht, wenn man sonntagmorgens extra früh aufsteht um Waffeln zu backen und statt strahlender Kinderaugen nur ein "Wieso gibt's keine frischen Erdbeeren?!" erntet (Achtung, mein Schneebesen kann weit fliegen!).

Die unsichtbaren Familienmanager

 

Und eben weil unsere Sprösslinge nicht wissen (können), welche Arbeit mit ihrer Aufzucht verbunden ist und viele Männer allein ihrer Abwesenheit wegen keine Ahnung haben, was es bedeutet, eine Familie zu managen, sollten doch wenigstens "die anderen" unsere Arbeit mit Respekt zollen. Diese "anderen" tun das aber nicht, denn immerhin wird keine Frau über den grünen Klee gelobt, weil sie sich samstags mit 2 trotzenden Kleinindern im Schlepptau zum Wocheneinkauf wagt oder beim Laternenbasteln im Kindergarten der Heißklebepistole die Stirn bietet.
Kreuzt hingegen ein Mann mit Kind(ern) in der Öffentlichkeit unsere Wege, strahlen ihn alle verzückt an und klopfen ihm die Schulter. Insbesondere dann, wenn er dabei auch noch Aufgaben wahrnimmt. Stellt euch doch mal einen Mann im Supermarkt vor, der vor dem Regal "Backzutaten" mit seinem Nachwuchs diskutiert, wie der später gemeinsam gebackene Kuchen verziert werden soll. Hach!

Gleichberechtigung ja, Gleichbeurteilung nein

 

Das ist ganz schön unfair. Punkt. Eine Frau, die sich mit Haushalt und Kindererziehung herumschlägt beschäftigt, ist normal. Das ist quasi das Mindeste, das Bedeutungsloseste, das sie tun kann. Es sollte zu ihr gehören wie das Atmen. Sehen wir einen Mann, der diese Aufgaben wahrnimmt, ist er ein ritterlicher Held, der unsere Herzen schmelzen lässt. Das ist leider aber nicht nur unfair, sondern auch ein Fakt, gegen den sich recht wenig tun lässt. Auch mir fallen Männer positiv auf, die ihre Kinder über den Spielplatz jagen oder mit Kinderwagen beim Bäcker stehen. Und auch in meiner Wahrnehmung gehen die Mütter unter. Vielleicht braucht es einfach nur noch etwas mehr Zeit, ein paar Jahrzehnte mehr, bis diese engagierten Papas ebenso selbstverständlich zum Stadtbild gehören wie Mütter.
Immerhin sollte man der Gerechtigkeit halber nicht außer Acht lassen, dass den meisten Menschen eine Frau mit Traktor oder Winkelschleifer ebenso ins Auge springt wie der "Konfetti Daddy" mit Wickeltasche.


"Aus Versehen übersehen" kratzt am Selbstwertgefühl

 

Unbeabsichtigte Herabwürdigung hin oder her- es gibt viel zu viele Mütter, die wütend sind oder frustriert, die sich wertlos fühlen oder resignieren. Ich kenne leider etliche Frauen überall auf der Welt, die sich übermüdet durch den Alltag kämpfen. Tolle Mütter, die zwischen Supermarkt, Badreiniger, musikalischer Früherziehung, Wasserfarbkästen, Fussballtraining und Kinderarztterminen im Quadrat hüpfen. Am Ende fühlen sie sich hundeelend, wenn sie sich in ihrer eng bemessenen "Freizeit" einer DVD statt dem Fitnessstudio oder der beruflichen Weiterbildung widmen. Einfach weil Respekt und Anerkennung für geleistete Aufgaben ausbleiben und sich so ganz automatisch irgendwann ein Gefühl der Wertlosigkeit einstellt und sie selbst den Eindruck gewinnen, nichts geleistet zu haben. Egal, in welchem Umfang Haus- und Familienarbeit von der Frau betrieben wird, sie scheint nichts zu bedeuten. Das Gefühl, nichts Erwähnenswertes zu schaffen, tragen Mütter auch nach außen indem sie ihre Leistung selbst kleinreden. Heute mal wieder "nichts" gemacht? Die erste Zeit nach der Geburt "nur" zu Hause geblieben? WIE BITTE?! Ein wahrer Teufelskreis also.

Zeit, neue Wege zu beschreiten

 

Wie entkommen wir dem Dilemma? Reicht es, mit stolz geschwellter Brust in die Welt zu posaunen, was frau täglich leistet, um etwas mehr Wertschätzung aus dem direkten Umfeld zu erhalten? Ich bezweifle es.
Aber es könnte immerhin ein Schritt in die richtige Richtung sein, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Lob anzunehmen, anstatt es verschämt von sich zu weisen. Anderen Müttern auch mal anerkennend zuzunicken. Der Frau mit dem tobenden Kleinkind zu sagen, dass sie einen tollen Job macht. Uns selbst regelmäßig zu belohnen für große und kleine Taten, die wir vollbracht haben. Den Blick unserer Partner schärfen und uns selbst und anderen immer wieder ins Bewusstsein zu rufen was es bedeutet, eine Familie zu managen, ein harmonisches, reibungsloses Zusammenleben zu organisieren und die emotionale Versorgung der Familienmitglieder sicherzustellen.
Wenn uns das gelingt, dann sind sich unsere Kinder -egal ob Männlein oder Weiblein- vielleicht eines Tages ihrer wichtigen Funktion bewusst. Auch dann, wenn sie gerade den Staubsauger schwingen, dem Partner gelegentlich oder regelmäßig den Rücken freihalten oder an der Kindergartenwanderung teilnehmen.