Sonntag, 20. Dezember 2015

Ein Haustier zu Weihnachten


Ich bin mir sicher, dass zu einem jeden Kind mit Herzenswunsch - welchem auch immer-  Eltern gehören, die über dessen Erfüllung schon 193572546 Mal diskutiert  haben.
Was mich zu dieser tollkühnen Behauptung verleitet? Das ist ganz einfach: Kennt ihr Kinder, die einen Herzenswunsch haben? Sowas vergessen die nicht mal eben, da lassen sie sich auch nicht vertrösten, ablenken oder mit einer zweitklassigen Alternative abspeisen. Kinder mit Herzenswunsch lassen nicht locker. Sie konfrontieren einen immer und immer wieder damit.
Das ist kein Problem wenn es um Schlittschuhe geht. Aber was, wenn der Wunsch folgenschwere Konsequenzen für die ganze Familie mit sich bringt? Wie die Anschaffung eines Hundes? Oder wenn er sogar unerfüllbar ist? Wie ein Pony im Hausflur?

Samstag, 12. Dezember 2015

Christbaumkauf auf dem Uhlandhof- ein ganz besonderes Erlebnis!




In Istanbul pflegen wir beharrlich unsere deutsche Weihnachtskultur und versuchen, all unsere Bräuche vom Adventskranz übers Plätzchenbacken bis hin zum Nikolausstiefel und den Adventskalendern aufrecht zu erhalten. Neben dem Schlendern über Weihnachtsmärkte fehlt uns hier ganz besonders eine Sache: Unsere echte Nordmanntanne.
Seit letztem Jahr müssen wir uns mit einem Plastik-Christbaum zufrieden geben. Dabei fehlt mir nicht nur der Duft, den die echte Tanne all die Jahre im Wohnzimmer verströmte, sondern auch der Christbaumkauf, der in Deutschland zu einer Art Familienritual und festem Programmpunkt in der Vorweihnachtszeit wurde.
Vor einigen Jahren haben wir nämlich den Uhlandhof in Hattenhofen (zwischen Stuttgart und Ulm) entdeckt und uns Hals über Kopf in die besinnliche Atmosphäre verliebt. Der Uhlandhof ist nicht nur eine Verkaufsstelle, die man nach Feierabend eben kurz abfährt. Hier wirft man nicht den erstbesten Tannenbaum in den Kofferraum und hakt damit einen weiteren Punkt auf der „To-Do“ Liste im Advent ab. Hier wird der Christbaumkauf zelebriert.
Unsere Töchter haben es geliebt, dort durch die riesige Auswahl an Bäumen jeder Größe zu streifen, Bauernhoftiere und versteckte Waldpfade zu entdecken, die imposante Weihnachts-Dekoration in der Scheune zu bestaunen und nach getaner Arbeit eine dampfende Tasse Punsch zu trinken und Rote Wurst zu essen.
Und weil uns eben dieser ganz besondere Christbaum-Kauf so fehlt, möchte ich ihn euch heute von ganzem Herzen empfehlen. Daher habe ich meine Bloggerkollegin Katie (Itchy Feetish Travel Blog), deren Familie den Uhlandhof führt, gebeten einen Gastartikel zu verfassen und euch zu verraten, was euch auf dem Uhlandhof erwartet.
Sie ist meiner Bitte nachgekommen: Voila!

Dienstag, 1. Dezember 2015

Wann es nervt, Expat in der Türkei zu sein

Bosporus-Idylle mit fragwürdiger Bürokratie

Ich hatte euch ja mehrfach von lustigen, netten und wundersamen Begegnungen und Gepflogenheiten in der Türkei erzählt. Ganze eineinhalb Jahre Leben wir mittlerweile schon in Istanbul und egal welche Stolpersteine uns so in den Weg geworfen wurden, haben wir bislang doch immer versucht, uns auf das Positive zu konzentrieren und uns das Leben nicht schwer machen zu lassen.
Auch wenn ich noch nicht darüber berichtet habe- es gibt sie natürlich: Die Schattenseiten.
Und an manchen Tagen kann mich auch mein Humor nicht über Hürden und bürokratischen Unsinn hinwegtrösten. Dann bin ich nur noch eines: genervt.

So wie in den letzten Wochen. Ich möchte niemanden abschrecken aber zukünftigen Auswanderern dennoch raten, sich mental auf nervenaufreibenden Wahnsinn einzustellen. Daher ein kleiner Einblick in unsere unliebsamen Freizeitbeschäftigungen:

Montag, 19. Oktober 2015

Familienausflug nach Johannesburg



 
Nun, da das schmuddelige Herbstwetter auch in Istanbul Einzug hält, ist es an der Zeit, etwas in Erinnerungen an den letzten Sommerurlaub zu schwelgen.
Ich hatte ja schon Reiseberichte unseres turbulenten Sommers angekündigt und fange heute mit Johannesburg in Südafrika an.

Freitag, 4. September 2015

Yummy italienischer Nudelsalat mit Putenstreifen

ein bisschen Dolce Vita für heisse Sommertage

Zutaten (6 Port.):

300g Penne
200g TK- Blattspinat
200g Champignons
1 kleine Aubergine
1 Glas (200g) getrocknete Tomaten in Olivenöl
1 Knoblauchzehe
400g Putenbrust
150 g Cherrytomaten
1 Bund Basilikum
50 g Pinienkerne
etwas Balsamico-Essig
Salz, Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß)

1. Nudeln in Salzwasser al dente kochen, abgiessen und mit dem aufgetauten Blattspinat in eine große Schüssel geben (kann auch gut mit gefrorenem Spinat vorbereitet werden, dieser taut dann innerhalb von 2 Stunden mit den heissen Nudeln auf).

2. Champignons putzen und in Scheiben schneiden, Aubergine halbieren und ebenfalls in dünne Scheiben schneiden. Knoblauch abziehen und fein hacken. Getrocknete Tomaten abgießen, dabei Öl auffangen.

3. Etwas von dem Öl in eine Pfanne geben und Knoblauch, Champignons und Aubergine darin dünsten, alles zum Salat geben.

4. Putenbrust in feine Streifen schneiden und im restlichen Öl scharf anbraten. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. Zum Salat geben.

5. Tomaten waschen und halbieren, Basilikum waschen und feinwiegen. Pinienkerne in einer Pfanne ohne Öl anrösten, bis sie goldbraun sind. Alles zum Salat geben.

6. Salat gut durchmischen und mit Salz, Pfeffer und Balsamico-Essig abschmecken.

Tipp: Schmeckt warm wie kalt sehr lecker. Kann gut für den nächsten Tag vorbereitet werden; wenn der Salat über Nacht zieht, ist das Aroma noch besser.
Für die Veggie-Variante einfach das Fleisch weglassen (prima Beilage zum Grillen).

Mittwoch, 26. August 2015

Begegnung in Bangkok



Viel sind wir gereist im August, unter anderem nach Thailand und Südafrika.
Beeindruckendes haben wir gesehen. Bewegendes, Faszinierendes, Buntes und Außergewöhnliches.
Von diesen großen und kleinen Abenteuern berichte ich euch gerne in Kürze mit Bildern.
Vorher möchte ich allerdings noch eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Begegnung in Bangkok, die meinen Mann und mich berührt hat und uns nach wie vor beschäftigt. Es ist die wahre Geschichte eines Wirtschaftsflüchtlings.

Flüchtlinge? Schon wieder? Ja!
Viel wurde in den letzten Tagen geschrieben und gedreht über Menschen in Not. Flüchtlinge, von denen ein kleiner Teil nach Deutschland strömt. Aus Syrien, dem Irak, aus Afrika und dem Balkan. Ein kleiner Anteil verzweifelter Menschen, der für viele schon zu groß ist. Flüchtlinge, die Proteste und Unmut auslösen. Und immer öfter lese ich, wie fein säuberlich getrennt wird in Deutschland als ginge es um Restmüll. Kriegsflüchtlinge - gehen (im besten Fall) grade noch. Wirtschaftsflüchtlinge? Weg mit denen! Sollen sie doch ihre eigene Wirtschaft ankurbeln, sich selbst etwas aufbauen. Wir haben keine Verwendung für sie. Wollen sich hier einfach ins gemachte Nest setzen. Aber nicht mit uns. Das Boot ist voll!

Lang haben wir gesprochen mit einem Flüchtling aus Burma (auch Birma oder Myanmar).
Wir standen auf einer gemeinsamen Fahrt durch Bangkok mit ihm im Stau und sprachen ihn auf sein gutes Englisch an. Wo er das gelernt hätte. Und so erfuhren wir Stück für Stück die Geschichte eines beeindruckenden jungen Mannes, der kämpft und rudert seit seiner Geburt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ein Kampf für ein besseres Leben, dessen Erfolgsaussichten gering sind.
Sein Antrieb bleibt: Er ist die Hoffnung.

Sonntag, 16. August 2015

Wie wir schnullerfrei wurden- die etwas andere Methode

Warum der Schnuller abgewöhnt werden musste

Meine 3-jährige war seit jeher ein Schnullerkind.
Nicht ständig und in jeder Situation, allerdings ging das Einschlafen niemals ohne. Und auch zum Trösten war der Nuckel für sie unverzichtbar. Sobald sie Schmerzen hatte oder emotional aufgewühlt war, verlangte sie nach ihm.
Nun möchte man ja als Eltern spätestens ab dem 2. Geburtstag langsam aber sicher die lästige Keimschleuder aus dem Kinderzimmer verbannen, nachts beim Kuscheln kein Hartplastik im Kreuz spüren und unbedarft das Haus für längere Zeit verlassen können, ohne regelmäßig akrobatische Meisterleistungen vollbringen zu müssen, um den folgenschweren Schnuller-Fall in den nächsten Gullischacht zu verhindern. Vor allem aber malt der besorgte Elter sich mit zunehmender Nutzungsdauer Horrorszenarien verformter Kiefer und Zahnfehlstellungen in den buntesten Farben aus. In meinem Fall kommt erschwerend die regionale Belastung hinzu- ich bin sparsamer Schwabe und ertrage es nicht, sehenden Auges auf eine unnötig kostspielige kieferorthopädische Behandlung zuzusteuern.

Kläglicher Versuch - ohne Druck mit der magischen Schnullerfee

Nun kenne ich mein Kind ja schon ein paar Tage und so war mit vollkommen klar, dass mit Drängen und Bitten oder gar Druck so gar nichts gehen wird. Daher habe ich nun ein halbes Jahr lang versucht, meinen Zwerg sanft auf die Trennung vom heißgeliebten Schnuller vorzubereiten.
Es entstand der Mythos der gönnerhaften Schnullerfee, die saugende Kinder erst dann im Schlaf heimsucht, wenn diese aus freien Stück dazu bereit sind, ihre Schnuller abzugeben und im Gegenzug einen kleinen Herzenswunsch erfüllt. Das fand meine Tochter äußerst praktisch, denn mangels aktuellem Herzenswunsch war die Notwendigkeit der Herausgabe für sie nicht gegeben.
Nun trug es sich zu, dass mein stures Kind sich diesen Sommer beim Baden Hals über Kopf in die Pool-Noodle eines Nachbarkindes verliebte. So eine wollte sie auch haben (in pink versteht sich). Ich witterte meine Chance, gab den Wunsch umgehend und pflichtbewusst an die Schnullerfee weiter, die daraufhin ihren Besuch innerhalb der nächsten Tage ankündigte. Der Zwerg wurde über den Stand der Dinge informiert und reagierte durchaus positiv auf die bedeutenden Neuigkeiten.
Sofort wurden sämtliche Schubladen und Taschen akribisch durchkämmt, alle Schnuller zusammengetragen und in einem Beutel zur Übergabe vorbereitet. Alle- bis auf einen.
Diesen "Notschnulli" legte sich der Zwerg unters Kopfkissen - wie solle sie denn sonst schlafen?!
Es verstrichen 2 Nächte ohne Schnullerfee. Diese weiss nämlich genau, wenn nicht alle Schnuller im Beutel sind. Spontan entschied sich meine Tochter also vor dem Schlafengehen am dritten Tag, das auch der letzte Schnuller in den Beutel wandern könne- sie sei bereit.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ohne Gequengel oder Meinungsumschwung schaffte sie es, nach einer Stunde im Bett auch ohne Schnuller einzuschlafen.
Ich fühlte mich großartig, das monatelange Reden mit Engelszungen hatte sich also doch ausgezahlt. Gegen Mitternacht ließ Supermom euphorisch den Schnuller-Beutel verschwinden und tauschte ihn gegen 2 (Mütter mit Geschwisterkindern wissen wieso) pinkfarbene Pool-Noodles Pool-Noodlen Poolnudeln (I <3 Anglizismen) aus.

Der Inbegriff eines Dramas

Um 1 Uhr morgens tönte ein ohrenbetäubender Lärm aus dem Babyphon. Der Zwerg hatte schlecht geträumt (was wirklich selten vorkommt aber ihr kennt ja Murphy's law...) und war völlig außer sich.
Desorientiert brüllte sie wirres Zeug ("Anhalten! Es dreht sich zu schnell!!!!") und ließ sich erst nach einer gefühlten Ewigkeit in die Realität zurückholen und beruhigen. Schluchzend und völlig verwirrt versuchte das Häufchen Elend wieder einzuschlafen. Tastende Finger und dann DIE Frage "Wo ist mein Schnuller???"
Sanft und tröstend rief ich das bevorstehende Ereignis in Erinnerung "Aber den hast du doch abgegeben. Du weißt doch, heute Nacht wollte die Schnullerfee kommen...." 
Der Zwerg sprang auf, stürmte in den Flur und murmelte etwas von "lieber erst morgen".
So nahm das Schicksal seinen Lauf. Eilig wankte ich hinterher um das Schlimmste zu verhindern, doch es war bereits zu spät. Nach einem 2-sekündigen Strahlen über die Entdeckung der Poolnudel folgte ein herzzerreißender Schrei der Verzweiflung, der die Nacht des Grauens einläutete.
Um es kurz zu machen: Bis 4 Uhr morgens folgte ein Meer aus Tränen, Millionen beruhigender Worte, ein wachgewordenes Geschwisterkind, eine defekte Klospülung, mehrere erfolglose Suchen nach dem Schnuller der Babypuppe inklusive ausgekippter Schubladen und Spielzeugkisten, eine selbstgebastelte Attrappe aus Küchenkrepp und Frischhaltefolie (fragt nicht) und eine Mutter, die dank innerlichen Nervenzusammenbruchs wohl nicht ganz überzeugend war in der Rolle des souveränen Situations-Meisters. Der Mann war übrigens nicht zu Hause aber das dachtet ihr euch bestimmt bereits (Murphy's law und so...).

Sinneswandel - die hässliche Wahrheit

Der folgende Tag begann übermüdet, gerädert und mit großer Enttäuschung des Zwergs über sich selbst ("Es hat überhaupt nicht geklappt mit ohne Schnuller zu schlafen"). Für einige viel zu kurze Stunden überwog dann die Freude über ihr Geschenk, das ja tatsächlich ein Herzenswunsch gewesen war. Nach dem Kindergarten stürmten wir also den Pool, um unser neues Equipment zu testen.
Doch es kam wie es kommen musste mit der Nachmittags-Laune eines Kleinkindes, das die Nacht zuvor kaum geschlafen hatte. Erst kippte die Poolnudel, dann die Stimmung.
Ein übermüdetes Kind wimmerte auf meinem Schoß und war todunglücklich angesichts der Aussicht auf eine weitere Nacht ohne Schnuller.
Verzweifelt versuchte sie, Lösungen zu finden. Könnten wir nicht einen Schnuller von irgendeinem Baby ausleihen? Im Supermarkt einen neuen kaufen? "Unmöglich!", versuchte ich ihr klar zu machen. Doch im Warum-Alter lässt kind sich mit einer unbegründeten Antwort nicht so einfach abspeisen und so wusste ich mir auf die Frage nach dem Grund dank Schlaf- und Fantasiemangels nicht anders zu helfen, als mit der Wahrheit herauszurücken.
"Weil du sonst noch ganz krumme Zähne bekommst", erklärte ich kurz und knapp.
Der Zwerg stutzte. Krumme Zähne? Wie geht denn sowas? Wie sehen die denn aus? Kann ich die irgendwo sehen? Ratlos und leicht entnervt zückte ich mein Handy. Die Bildergebnisse der Google-Suche "krumme Zähne" retteten mich. Fasziniert und leicht entsetzt scrollte meine Tochter durch die Galerie. Wir unterhielten uns an diesem Nachmittag ausgiebig und nüchtern über die krummen Zähne von vielen Menschen, einigen Tieren und sogar Faschingsmasken. Wir spekulierten über mögliche Ursachen ("Vielleicht hat seine Mama vergessen ihm zu sagen, dass er seinen Schnuller abgeben soll.") und Folgen ("Jetzt vergisst die Schnullerfee bestimmt nicht mehr, dass man auch Esels besuchen muss").
Dieser Nachmittag ist mittlerweile 2 Wochen her. Seitdem hat meine Tochter nie mehr nach einem Schnuller verlangt. Sie unterhält sich immer noch gerne über krumme Zähne, doch ich habe das Gefühl, das Thema ist für sie bald ausreichend durchleuchtet.

Mal wieder ist mir klar geworden, dass Kinder oft mehr Wahrheit vertragen, als wir ihnen zumuten wollen. Grundsätzlich würden wir sie gerne vor der großen, bösen Welt beschützen und ihnen ein Leben voller Regenbogen und Happy Ends bieten. Durch ihren unbefangenen Pragmatismus können Kinder jedoch mit logischen Argumenten meist mehr anfangen, als mit abstrakten, weichgespülten Ausreden (auf dem Spielplatz hörte ich mal das Argument "sonst weinen die Wolken"). Und bevor einer fragt: Albträume haben die Fotos von Zahnfehlstellungen nicht verursacht. Die Bilder haben einfach nur eine mögliche reale Konsequenz auf eine unliebsame Angewohnheit deutlich gemacht und diese Einsicht hat meine Tochter auf gewisse Weise "geheilt".
Am Ende lief zwar alles etwas anders als geplant, doch mit diesem Resultat feiere ich mich gerne ein weiteres Mal als Heldin der Verzweiflungstat.

Welche "Methoden" habt ihr zur Schnuller-Entwöhnung angewandt?

Montag, 6. Juli 2015

Brief an meine Große


Mein liebes, großes Kind, 

heute ist es exakt 10 Jahre her, dass du das Licht der Welt erblickt hast.
Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, nach einer langen und schmerzhaften Geburt endlich DICH in den Armen gehalten zu haben. Ein Blick auf mein kleines, zartes, vollkommenes Mädchen und all die Anstrengung war vergessen. 



Aufregend und neu waren die ersten Wochen mit dir. Du hattest Koliken und hast viel geweint, doch nach einigen nervenaufreibenden Wochen waren deine Schmerzen verschwunden und du hast vor allem eines: Gelächelt. Ich weiß noch, als wäre es erst gestern gewesen, wie ich dich eines Tages kitzelte und mit dir spielte und dein erstes lautes, glucksendes Lachen durchs Wohnzimmer schallte während du mich mit großen Augen anstrahltest. Dieser Moment wird für immer seinen festen Platz in meinem Herzen haben, denn in ihm spürte ich zum ersten Mal, welcher Mensch du sein würdest und wie sehr ich dich dafür liebe.

Viel haben wir erlebt in den vergangenen 10 Jahren. Picknick im Garten und am See, Fahrradtouren, Spaziergänge, bei denen wir nach Feldmäusen suchten, Weihnachten, Geburtstage, Urlaube, große Anlässe und kleiner Alltag. An all unsere Erlebnisse erinnere ich mich gerne zurück und wundere mich trotzdem heute: Wo ist die Zeit geblieben?

Aus dem strahlenden Baby wurde ein stolzes Kindergartenkind, das Feen liebte, Filly-Pferdchen sammelte und mich gerne mit Selbstgebasteltem überraschte. Aus meiner Prinzessin wurde ein großes Schulkind, das verantwortungsbewusst und reflektiert begann, seinen Alltag selbstständig zu meistern. Eine große Schwester ist aus dir geworden und auch das ließ dich reifer, verständnisvoller und so viel größer werden. Ein gutes Vorbild warst du immer, eine enorme Hilfe und ein Sonnenstrahl im hektischen Alltag. All die Herausforderungen, die du bereits meistern musstest, hast du angenommen und mit Bravour bewältigt. Viele Veränderungen unserer Lebensumstände hast du erlebt, und sie stets mit deiner unbefangenen Fröhlichkeit angenommen und selbst dafür gesorgt, dass jede Veränderung auch zu einer Verbesserung wurde. 


Vor einem Jahr hast du einen großen Teil deines kleinen Lebens hinter dir gelassen. Du hast dich verabschiedet von Schule, Familie, Freunden, deinem geliebten Kinderzimmer und der Welt, wie du sie kanntest. Über 2000 Kilometer bist du mit uns gereist und hast offen und neugierig dein neues Zuhause erkundet.
Ich weiß, dass du viele Ängste und Zweifel hattest. Doch du bist mit ihnen zurechtgekommen und hast mit deiner positiven Art mal wieder das Beste aus der Situation gemacht. In einem fremden Land mit einer neuen Sprache hast du es geschafft, innerhalb weniger Tage Menschen von dir zu begeistern und neue Freunde zu gewinnen. Ganz alleine machtest du dich auf den Weg, unsere Nachbarschaft zu erkunden und Kontakte zu knüpfen. Und ganz alleine bist du an deinem ersten Schultag mit einem fremden Bus durch eine fremde Stadt gefahren, hast ein fremdes Gebäude betreten und dir zwischen fremden Lehrern und fremden Mitschülern mit fremder Sprache deinen eigenen Platz gesucht und ihn gefunden.


Heute kann ich kaum glauben, wie groß du in deinem letzten Lebensjahr geworden bist. Du bist nicht nur körperlich gewachsen, sondern auch über dich selbst hinaus. Binnen weniger Monate hast du eine neue Sprache gelernt. Für mich ist es immer noch unbegreiflich, mit welcher Lässigkeit du auf Englisch mit Freundinnen telefonierst und reflektierte Gedanken zu Papier bringst. Mein kleines Mädchen ist jetzt groß! Auf Türkisch ziehst du alleine los, um einzukaufen. Auf Englisch arbeitest du online an Projekten, als hättest du nie etwas anderes getan. Du wischst dein Zimmer und züchtest Gemüse auf deinem Balkon. Du machst mir Rührei zum Frühstück und zeichnest, dass mir der Mund offen stehen bleibt. Du liest "Harry Potter" innerhalb weniger Tage und schreibst eigene Songs und Gedichte. Du schaust mit mir "Der Herr der Ringe" und holst mich beim Wettschwimmen ein. Du hast deinen eigenen, bunten Stil entwickelt und stellst kluge Fragen. Du engagierst dich aus eigenem Antrieb für Flüchtlinge, Erdbebenopfer und Frauenrechte. Du interessierst dich für Tiere und Menschen, Kulturen und Religionen. Verantwortungsvoll hältst du dich auch während meiner Abwesenheit an Absprachen und machst abends immer pünktlich das Licht aus.


Auch wenn es (d)eine Mama immer ein bisschen wehmütig stimmt, zu sehen, wie schnell die Zeit vergeht und wie ihre Kinder Stück für Stück aus ihrer Kindheit wachsen, möchte ich dir heute aus tiefstem Herzen etwas ganz Wichtiges sagen: Ich bin wahnsinnig stolz auf dich!
Auf mein 10-jähriges, großes Mädchen, das ein wunderbarer Mensch ist. Darauf, dass du verantwortungsbewusst und mitfühlend bist, kreativ und klug, neugierig und respektvoll, tolerant und selbstbewusst, fröhlich und offen, ehrlich und liebevoll. Ich wünsche dir zum Geburtstag nur das Beste und dass du weiterhin auf diese wunderbare Weise deinen eigenen Weg gehst!


Happy Birthday!