Mittwoch, 24. September 2014

Monster High Kleidung bei H&M

Um eines vorweg zu sagen: Ich kann die Monster High Begeisterung meiner Kinder nicht unbedingt teilen.
"In" wurden die Figuren bei der Großen ab Klasse 2, von da an standen DVD's und Püppchen auf jedem Wunschzettel.

Für diejenigen, die Monster High noch nicht kennen: Es geht um eine Zeichentrick-Clique von Monster-Sprösslingen und ihre Probleme und Abenteuer. Dabei finde ich persönlich die Optik eher fragwürdig (wer schon Barbie nicht mag, wird vermutlich noch weniger Gefallen an den überdimensionalen Köpfen und Taillen mit Handgelenk-Durchmesser der Monster High Figuren finden).


Meiner Großen ist das natürlich herzlich egal, sie findet die Charaktere wahnisnnig "cool", um nicht zu sagen "echt geil". Daher mussten wir vor einigen Monaten sogar in liebevoller Handarbeit ihr Mobiliar mit den Figuren bepinseln. Geschmäcker sind nun mal verschieden und nur bedingt beeinflußbar. Daher habe ich mich schon vor Jahren mit unseren Grusel-Mitbewohnern arrangiert und sie akzeptiert.

Von der Euphorie ließ sich auch der Zwerg anstecken. Sie leiht sich gerne die Figuren und spielt damit (natürlich darf sie nur die älteren benutzen ;) ).

Umso begeisterter waren meine Töchter natürlich, als wir letzte Woche Monster High Kleidung zugesandt bekamen. Ab sofort vertreibt Mattel nämlich in Zusammenarbeit mit H&M Klamotten mit den Monster-High Charakteren. Ein Blick in den Webshop zeigt: Meine Kinder sind mit ihrer Begeisterung nicht alleine (http://www.hm.com/de/product/36195?article=36195-Bhttp://www.hm.com/de/product/36195?article=36195-B).

Besonders gefallen hat mir die Hose für den Zwerg, Leggings findet sie zum Spielen nämlich deutlich bequemer als Jeans. Trotzdem hat dieses Modell nichts von "Turnunterricht". Durch den etwas dickeren Stoff, das wilde Muster und die Kunstleder-Aufnäher ist sie ein richtiger Hingucker.

Die Sendung kam genau zum richtigen Zeitpunkt da auch das Wetter in Istanbul langsam etwas frischer wird und auch wir uns langsam für den Herbst rüsten. Da passen die Langarmshirts und die Leggings in den gedeckten Farben natürlich optmal :-)

Das sagen meine Kinder (nach Freudentanz):

Große: "Geiiil! Kann ich das morgen in die Schule anziehen???"

Zwerg: "Ooooh...schau mal, Mama! Die Hose hat ein Glitzer! Kann ich die mit Blinke-Schuhe anziehn? Da sind ja die Monster Haiiiis drauf."

Ein ganz großes Dankeschön vor allem von den Wirbelwinden also für dieses hübsche Geschenk!





Mittwoch, 3. September 2014

Mommy Wars: Wie Mütter sich bekriegen


Der Krieg unter Müttern ist allgegenwärtig. Meist fühle ich mich als Opfer, doch manchmal beschleicht mich der Verdacht, ich könnte bereits selbst zum Kriegsverbrecher geworden sein.

Mama on the rocks, Muffinqueen und Sam von momsoffice haben nach Twitter-Debatte eine Blogparade ins Leben gerufen, an der ich mich gerne mit meiner persönlichen Erfahrung beteilige:

Das Übel beginnt mit "gutgemeinten" Ratschlägen

Viel zu oft erhält man als Mutter ungefragt (zumeist veraltete) Ratschläge. Bereits in der Schwangerschaft geht es los mit "Tipps", von denen sich nicht nur manch Erstgebärende verunsichern lässt. Von meinen beiden Schwangerschaften hatte ich nicht nur aufgrund meiner emotionalen Hormon-Achterbahnen gegen Ende die Schnauze voll. Von einem Imbiss-Verkäufer, der mir wenige Tage vor dem Entbindungstermin weismachen wollte, ich bekäme 100%ig Zwillinge bis zu einer Rentnerin, mit der ich im Park einen handfesten Streit begann weil sie aufgrund meiner Bauchform darauf bestand, dass ich einen Jungen bekommen würde bekam ich einen bunten Strauß an Tipps, Ratschlägen und Feststellungen mit auf meinen Mama-Weg die mich, meinen Körper und mein Baby betrafen. Schnittblumen wären mir lieber gewesen.

Nach der Geburt ging der Spießrutenlauf dann fröhlich weiter. Jede/r der bereits ein Kind hatte oder jemanden kannte, der eines hatte, oder jemanden kannte, der jemanden kannte usw fühlte sich auf einmal dazu berufen, mir die Welt zu erklären. Und natürlich wussten sie es alle besser als ich. Von absurd ("Du darfst das Baby abends nicht stillen, kein Wunder schläft es nicht durch! Gib ihm abends eine Flasche mit angedickter Milch!") über ungewöhnlich ("Du solltest ihr den Kopf rasieren, dann kriegt sie später volleres Haar!") bis hin zu fanatisch ("Das Kind niemals ablegen! Es muss Rund um die Uhr Körperkontakt haben!") bekam ich die volle Palette an unnützen Empfehlungen und Warnungen.

Die Rüstung gegen gefährliches Halbwissen

Seit 9 Jahren, einem Monat und 28 Tagen bin ich Mutter. Was ich mir in dieser Zeit an Wissen ergoogelt und recherchiert habe, um anderer Leute falscher Ratschläge zu entkräftigen, würde mittlerweile ein Buch füllen.
  • Ist Kuhmilch krebserregend? 
  • Können Babys an Katzenhaaren ersticken?
  • Wie hoch ist der Gefahr gelähmter Gesichtsmuskeln nach dem Ohrlöcher-Stechen?
  • Macht Fluor in Kinderzahncreme krank?
  • Kriegen Babys ohne Mütze im Sommer einen tödlichen Schnupfen?
  • Kriegen Babys mit Mütze im Sommer einen tödlichen Hitzestau?
  • Brauchen Kinder musikalische Früherziehung? Einen Englisch-Grundkurs im Kindergarten?
  • Müssen Kinder täglich Fleisch essen? Und wenn ja, bis wann? Und wie viel?

Diese Liste ließe sich ewig fortführen, aber da ich selbst bereits zu viel meiner Zeit mit solchen Fragen vergeudet habe, möchte ich euch das ersparen (Nicht auszudenken, was ich in dieser Zeit Sinnvolles hätte tun können. Nähen lernen. Oder ein Jura-Studium vielleicht?)


Aus Ratschlag wird Kritik 

Falsche Ratschläge sind nervig und anstrengend, keine Frage. Aber zumindest kommen sie noch in einem geheuchelten Deckmäntelchen der Fürsorge daher. Wesentlich zermürbender empfand ich die offene und versteckte Kritik, der ich mit zunehmendem Alter meiner Kinder immer öfter begegnete. Wenn es nicht mehr um die Wahl zwischen Tragesack und Tragetuch, sondern um die großen Entscheidungen des Lebens geht, gehen Mütter oftmals härter mit ihresgleichen ins Gericht als China mit seinen "Volksverhetzern".
Diskussionen an Elternstammtischen arten immer öfter aus in Sticheleien, Provokationen und Lästereien über Nicht-Answesende.
Wenn eine Mutter den Haushalt schmeißt und die Kinder betreut ist sie ein rückständiges Hausmütterchen, das sich aushalten lässt.
Wenn eine Mutter arbeiten geht ist sie ein verantwortungsloser, karrieregeiler Eisklotz ("Warum hat sie sich überhaupt Kinder angeschafft?").
Für total  verabscheuungswürdig werden auch gerne die Mütter gehalten, die nicht arbeiten gehen und ihre Kinder in die Kita "abschieben" um shoppen zu gehen oder sich ungestört mit der Freundin auf einen Kaffee zu treffen.
Sind Mütter dick, dann sind sie faul, ohne Disziplin und erziehen ihre Kinder zu gestörtem Essverhalten. Aber Achtung! Sind Mütter nämlich "zu" schlank, dann sind sie oberflächlich, egoistisch und -ja, richtig!- erziehen ihre Kinder zu gestörtem Essverhalten.
Wird eine vom Mann verlassen ist sie selber Schuld, das hätte man bei dem ja gleich wissen müssen. Verlässt eine ihren Mann ist das unmöglich, denn was tut sie damit nur ihren Kindern an?!
Bringt sich eine Mutter ein und engagiert sich zu sehr, ist sie ein Kontrollfreak und muss überall ihre Finger im Spiel haben.
Hält sich eine Mutter heraus und ist stille Beobachterin, dann ist sie gleichgültig und desinteressiert.
Auch hier ließe sich die Liste ewig fortführen.

"Also ich könnte das ja nicht..."

Ein Satz, den wohl die meisten Mütter schon oft gehört haben. Ein Satz, der deshalb ein negatives Gefühl hinterlässt weil er nichts anderes meint als: "Also ich verurteile ja dein Leben."
Warum stört es uns überhaupt, was andere über unsere Mutter-Qualitäten denken? Das ist ganz einfach: Weil es um unsere Kinder geht. Da wird frau empfindlich. Jede Mutter ist anders. Jedes Kind auch. Und da es schon lange kein Patent-Rezept mehr gibt, was man als Frau und Mutter so zu tun oder lassen hat, haben wir unendlich viele Wahlmöglichkeiten. Ständig versuchen wir die Bedürfnisse sämtlicher Familienmitglieder mit unserer ganzen Kraft und Energie miteinander in Einklang zu bringen und zu erfüllen. Wir wägen jede unserer Entscheidungen sorgfältig ab und entscheiden situationsbezogen, müssen Rücksicht auf die Eigenheiten aller Familienmitglieder und auf unsere Rahmenbedingungen nehmen. Manchmal läuft alles rund und wir sind zufrieden mit den Dingen, die wir beeinflussen konnten. Oft allerdings auch nicht, denn ein Familienleben verläuft mit Höhen und Tiefen, Kinder und auch wir Eltern durchleben verschiedene Phasen, wir entwickeln uns ständig weiter. Der Kurs muss also immer wieder korrigiert werden.
Ich kenne viele Mütter, die mehr arbeiten als sie wollen, da es aus finanziellen Gründen einfach notwendig ist. Viele arbeiten weniger, als sie gerne würden, da sie keine Stelle finden, die ihren Qualifikationen entspricht. Viele haben aufgrund anderer Verpflichtungen weniger Zeit für ihre Kinder, als sie sich wünschten. Und letztendlich bezweifle ich, dass sich irgendein Paar trennt um seinen Kindern die Kindheit zu versauen.
Deshalb sind wir empfindlich, wenn jemand in unseren Wunden stochert. Es ist verletzend wenn wir spüren, dass andere unsere Entscheidungen in Frage stellen und uns unterstellen, nicht im Interesse unserer Kinder zu handeln. Es bedeutet letzten Endes nichts anderes, als dass wir in dem versagen, was uns am meisten am Herzen liegt.


Natürlich könnten wir auf ein "Also ich könnte das ja nicht!" auch mit einem "Klar, das schafft auch nicht jeder!" antworten. Tun wir aber nicht. Wir erklären und rechtfertigen uns und bieten damit automatisch noch mehr Angriffsfläche, wie "Mama on the rocks" bereits wunderbar in ihrem Post über die Kommunikationsspirale beschreibt.

Mache ich es besser?

Manchmal muss ich erschrocken feststellen, dass ich keinen Deut besser bin als all die Guerilla-Moms, über die ich mich so ärgere.
Ich versuche zwar meist, mich an Kindergarten-Gossip nicht zu beteiligen, nicht zu werten und zu den meisten Geschichten meinen Senf im Kühlschrank zu lassen. Aber gelegentlich passiert es auch mir, dass ich das Verhalten und die Entscheidung anderer Mütter be- oder verurteile. Vielleicht tragen wir das alle als kleinen Selbstschutz in uns? Denn entscheidet sich eine andere Mutter in vergleichbarer Situation anders als wir selbst, haben wir fast keine Möglichkeit, dies gutzuheißen. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass wir selbst die falsche oder zumindest eine fragwürdige Entscheidung getroffen hätten.

Spontan fallen mir sofort 2 Situationen ein:

  • Letzte Woche lernte ich eine nette Mutter kennen, die ins Stadtzentrum zog um intensiver am kulturellen Angebot teilnehmen zu können. Das bedeutet für ihre 3 Kinder täglich eine Fahrtzeit von 3-4 Stunden zur Schule (hin und zurück). Ihre Entscheidung habe ich als egoistisch gewertet.
  • Eine andere Mutter erzählte mir letzte Woche, dass sie seit über einem Jahr Kindergarten "Eingewöhnung" mit ihrer 4jährigen Tochter betreibe. Diese bräuchte ständig Blickkontakt zur Mutter. Also sitzt sie seit über einem Jahr im Nebenraum hinter einer Glasscheibe und ist dabei, während ihr Tochter im Kindergarten spielt. Im Stillen habe ich sie als Glucke verurteilt.

Wir selbst wohnen außerhalb des Zentrums um unseren Töchtern eine Fahrtzeit unter 30 Minuten zu Kindergarten und Schule zu bieten. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte die Hotspots der Stadt entdecken ohne dazu eine Stunde Metrobus fahren zu müssen.
Meine Tochter geht mit ihren knapp 3 Jahre jeden Tag alleine in einen türkischen Kindergarten, in dem sie (noch) kaum ein Wort versteht. Oft denke ich an sie und würde gerne sehen, was sie gerade macht, wie sie sich fühlt, ob sie zurecht kommt.


Das ist ein kleines Stück Wahrheit, das ich lieber ausblende.