Mittwoch, 28. Mai 2014

Mutmachparade: Für was lohnt es sich, mutig zu sein?

Heute möchte ich im Rahmen der Mutmachparade, zu der Hannes in seinem Jazzblog aufruft, einen etwas intimeren Einblick in mein Leben gewähren. Heute gibt es keine Rezepte, Buchtipps oder unterhaltsamen Alltagsgeschichten, heute geht es mal um einen Teil meiner ganz persönlichen Lebensgeschichte und die großen und kleinen Gabelungen auf meinem Weg, an denen ich etwas Mut für meine Entscheidungen brauchte.

Wer mich kennt weiss, dass ich kein besonders impulsiver Mensch bin. Ja, meine Freunde und nicht zuletzt mein Ehemann belustigen sich sogar regelmässig über den Aufwand, den ich betreibe, um Dinge gründlich abzuwägen. Ich bin die Frau, die unzählige Excel-Listen und Dokumente besitzt, in denen Alternativen, Varianten und Informationen gegenübergestellt werden. Wenn ich eine Entscheidung fällen muss, könnte ich wahrscheinlich zu jedem Thema eine umfangreiche und brilliant recherchierte Power-Point Präsentation halten. Alle Aspekte werden berücksichtigt, man möchte ja später nichts bereuen. Trotz dieser Tatsache, habe ich in meinem Leben schon so einige Entscheidungen getroffen, die weder die rationalsten, noch die unkompliziertesten oder sinnvollsten waren. Gerade in den wichtigen Dingen höre ich eher auf Bauch oder Herz. Und mit ein bisschen Mut "springe" ich dann einfach:

Was hat mein Umfeld die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich mit 17 ungeplant schwanger wurde. Ich besuchte zu der Zeit die 11. Klasse des Gymnasiums, war bereits seit über einem Jahr von zu Hause ausgezogen, hatte kaum Geld, lebte in einer chaotischen WG und meine Schulbesuche waren...nennen wir es "sporadisch".
Den Mut zu fassen, mich für meine Tochter zu entscheiden war dennoch eine der einfachsten Entscheidungen in meinem Leben.
Über die Alternative habe ich damals nicht mal richtig nachgedacht. Ich erwartete ein Kind und daran etwas zu ändern, wäre unvorstellbar gewesen.
Auch wenn ich damals das Gefühl hatte, keiner glaubte daran, dass das alles gut ginge... Ich glaubte daran! Und nicht einen Moment habe ich diese Entscheidung je bereut.
Meine Tochter, die in einigen Wochen 9 Jahre alt wird, ist ein glückliches Mädchen, dem es zu keinem Zeitpunkt an etwas fehlte. Auch wenn wir die ersten Jahre immer knapp bei Kasse waren (Ich holte innerhalb von 3 Jahren mein Fachabitur nach und schloss eine Ausbildung ab), glücklich waren wir trotzdem in unserer kleinen Wohnung ganz ohne Wochenendausflüge in den Europapark oder All-Inclusive-Urlaube.
Wir radelten durch die Gegend, badeten im See, malten uns die Welt bunt, zählten Wolken, versteckten und in Kleiderschränken, sammelten bunte Blätter, picknickten im Garten, dachten uns Geschichten aus und nahmen uns Zeit für all die wunderbaren Dinge, für die man keinen Cent braucht.

Da frau mit Kind(ern) eine große Verantwortung trägt, folgten auf die Entscheidung, meine Tochter zu bekommen noch viele weitere Entscheidungen, für die ich oftmals weder Unterstützung noch Verständnis bekam, und die mir Mut abverlangten.
  • Den Mut, mich ein Jahr nach der Geburt vom Vater meiner Tochter zu trennen.
  • Den Mut, mich neu zu verlieben.
  • Den Mut, meinen neuen Partner ins Familienleben einzubeziehen.
  • Den Mut, nach meiner Ausbildung trotz Druck des Arbeitgebers nur Teilzeit (32 Std/Woche) zu arbeiten. Damit auf Möglichkeiten zu verzichten um meine Tochter und die Zeit mit ihr an oberste Stelle zu setzen.
  • Den Mut, mir mit meinem Mann nochmal ein Kind zu wünschen und auch zu bekommen, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt beide unzufrieden mit unseren Jobs waren und noch nicht wussten, wo auf dieser Welt und mit welchem finanziellen Rahmen wir einige Monate später stehen würden (warum könnt ihr in meinem Artikel Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen nachlesen).
  • Den Mut, mir auch mal falsche Entscheidungen einzugestehen und diese wieder rückgängig zu machen: Ein Fernstudium zu beginnen und es letzten Endes trotz toller Ergebnisse frühzeitig abzubrechen, weil ich das Gefühl hatte, die dafür benötigte Zeit mit anderen Dingen erfüllender nutzen zu können.
  • Und zu guter letzt den Mut, mit meiner Familie für eine berufliche Möglichkeit meines Mannes nach Istanbul auszuwandern und uns auf eine völlig neue Kultur einzulassen.

Zu jedem Zeitpunkt standen mir/uns auch einfachere Varianten zur Auswahl. Wir hätten immer auch einen leichteren Weg gehen können.
Ich hätte mein Kind abtreiben können um meine "sorglosen" Jahre in die Länge zu ziehen.
Ich hätte in einer unglücklichen Beziehung bleiben können, um die Verwantwortung zu teilen und anderer Leute Erwartungen zu erfüllen.
Ich hätte nach der Geburt meiner Tochter zu Hause bleiben können und vom Staat leben, wie es mir das Arbeitsamt damals empfohlen hatte (ja, richtig gelesen. Der HartzIV Satz mit Kind ist sogar höher als Schülerbafög, das ich bezog um meine Schule zu beenden...das System ist leider fragwürdig).
Ich hätte meine Ausbildung in 4 Jahren statt in einem machen können, weil es leichter gewesen wäre ab und zu mal Berufsschule zu haben, anstatt jede Woche 50-60 Stunden im Büro zu sitzen.
Ich hätte mein Fernstudium beenden können, weil es total vernünftig gewesen wäre, meine beruflichen Qualifikationen zu erweitern. "Vernünftiger", als in der Zeit Pustblumen zu sammeln oder zu bloggen.
Und wir hätten in Deutschland wohnen können. Alle in unserem kleinen Hamsterrad. In Jobs, die uns nicht glücklich machen. Wir hätten uns Abend für Abend selbst bemitleiden können. Weil wir zu wenig Zeit für die Familie haben. Zu wenig Zeit für uns selbst. Weil die Welt ungerecht ist. Weil wir noch nicht einmal Anerkennung ernten, für das was wir tun. Während wir die schönen Dinge des Lebens dafür aufgeben.




Letzten Endes waren es die mutigen Entscheidungen, die mein Leben positiv veränderten. Ich bin sehr dankbar für mein Leben mit all seinen kleinen Mosaiksteinchen, aus denen es sich zusammensetzt. Hätte ich nur eine andere Entscheidung getroffen, wäre das Gesamtbild ein anderes. Meine Familie und ich hatten komplizierte Zeiten, weit mehr als ich in diesem Artikel kurz umrissen habe. Manchmal sah die Welt schwarz und hoffnungslos aus. Trotzdem haben wir niemals unzufrieden auf der Stelle getreten, sondern immer mit Mut und Engagement versucht, zu ändern, was zu ändern war. Und akzeptiert, was wir nicht ändern konnten. Aus dieser Mischung haben wir stets das Beste gemacht und haben uns deshalb nicht nur arrangiert mit unserem Leben, wir sind glücklich.
Für was lohnt es sich also, mutig zu sein?
Für mich steht die Antwort fest: Für seine eigenen Träume, Wünsche, Vorstellungen und Ziele, beruflich wie privat. Um zu erreichen, was man möchte und sein Leben selbstbestimmt zu leben ist kein Weg zu steinig, keine Entscheidung zu schwer und kein Opfer zu groß.


An dieser Stelle möchte ich euch noch kurz auf einige Beiträge zur Mutmachparade meiner Bloggerkollegen hinweisen, die mir sehr gut gefallen und mich berührt haben:

"Wir sind in die Welt gestellt um zu leben" von Berlinmittemon
"Aus Angst wird Mut und Heldentum" von mama-notes
"Mutmachparade- mein Beitrag" von mama arbeitet
"Erste Schritte sind immer schwer" von Elke Peetz
"An die Sonne glauben können" von werden und sein
"Viel Vertrauen und ein bisschen Leichtsinn" von Heikeland
"Mut steht am Anfang, Glück am Ende" von Herzensangelegenheiten






Dienstag, 20. Mai 2014

Designerkleidung für Kinder

Gastbeitrag von "Beauty - Mami" Mihaela
 
Ich bin mir sicher, dass jede Mami sich darauf freut, wenn ihr kleiner Liebling gut angezogen ist und schnuckelig aussieht. Heutzutage wird man überall mit ausgefallenen Kleidungsstücken überschüttet...
Ich gebe es zu, dass ich ab und an auch schwach werde und einige preislich nicht sehr günstige Teile für meine Engelchen ergattere. Aber wenn ich ein zwei Monate altes Baby mit einem Dior Body und bekleckertem Armani Lätzchen sehe, frage ich mich:
 
Ist das nicht überflüssig und irgendwie lächerlich?!
 
Ok, in dem Leben von Schauspielern, Prominenten und Personen, die im Blitzlicht stehen, ist so einem Anblick Gang und Gäbe....
 
Ich persönlich habe nichts gegen Designerkleidung für Kinder, im Gegenteil: Ich kann die süßen Röckchen und die coolen Jäckchen stundenlang bewundern und würde am liebsten die Geschäfte leer kaufen. Aber die Frage ist, ob man hunderte von Euros für ein Teil ausgeben soll, das sowieso nur für kurze Zeit getragen wird. Besonders die Babys, die sich jeden Tag verändern und so schnell wachsen, benötigen meiner Meinung nach nicht wirklich Designerunterwäsche. Ich sehe es bei meinen Kindern, wie schnell ihre Kleidung zu klein wird. Manche Teile werden sogar ungetragen in den Keller verstaut. Deswegen finde ich es wirklich schade, wenn man dafür viel Geld ausgegeben hat.
 
Es ist ganz klar, dass die Kinder-Designerkleidung eher ein Musthave für die Eltern ist, als für die Kleinen! Wir leben in einer Welt, in der die materiellen Dinge leider eine zu wichtige Rolle spielen. Die Kinder werden heutzutage gewollt oder ungewollt so erzogen und halten es für selbstverständlich, wenn sie mit den neuen Gucci Schüchen auf dem Spielplatz turnen.
 
Beunruhigend finde ich nur die Tatsache, dass die teure Markenkleidung nicht weniger mit Schadstoffen belastet ist, als die etwas günstigere. Der hohe Preis und bekannter Firmenname sind nicht mehr Garantie für bessere Qualität! Fakt ist, dass Designer Labels wie Prada, Gucci und Dior wegen den niedrigen Herstellungskosten den größten Teil ihrer Kollektionen in Asien produzieren lassen.
 
"Luxusmode mag exklusiv sein – sauber ist sie deswegen nicht. Der Säuglingsschuh von Hermès war genauso mit gefährlichen Chemikalien belastet wie das Kinder-Shirt von Dior oder die Jacke von Versace. Wir fordern auch die Luxusmarken auf, saubere Kleidung herzustellen und Kinder und Umwelt zu schützen," berichtet der Chemie-Experte von Greenpeace Manfred Santen.
 
Die giftigen Stoffe können das Immunsystem beeinträchtigen, deswegen ist es empfehlenswert, selbst bei dem Kauf weltberühmter Kinderkleidung auf die Textil-Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft IVN oder des Global Organic Textile Standard GOTS zu achten.
 
Ich hoffe wirklich, dass in Zukunft immer mehr Kleidungshersteller sich an der Greenpeace Detox-Kampagne beteiligen werden, damit wir unsere Kinder nicht nur gut, sondern auch "gesund" anziehen können.
 

Über die Autorin

Mihaela ist 30 Jahre alt, verheiratet und stolze Mutter einer 4jährigen Tochter und eines 7 Monate alten Sohnes.
Seit einigen Monaten bloggt sie auf http://www.beauty-mami.de/ über alles, was das (Mutter)leben schöner macht.

Schaut vorbei, es lohnt sich!

 

Freitag, 9. Mai 2014

Türkische Kuriositäten

Sonnenuntergang suf Istanbuls Straßen
10 Tage sind nun vergangen, seit wir endgültig in Istanbul leben. Kein Wohnsitz mehr in Deutschland, das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Noch haben wir so viel zu tun, dass wenig Zeit bleibt, über die Veränderungen eingehend nachzudenken. Nach 1,5 Wochen sind uns jedoch einige Kuriositäten aufgefallen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

1. Türkische Elektriker
"no risk, no fun", das ist ihr Motto. Unser Elektriker muss einer der Besten sein. Wie sonst sollte er es überleben, jeden Tag seiner Arbeit nachzugehen, ohne vorher den Strom abzudrehen?

2. "bugün"
dieses Wort wird im  Wörterbuch mit "heute" übersetzt. Allerdings sollte man sich dadurch nicht in die Irre führen lassen. Handwerker, Lieferanten, Freunde... jeder benutzt dieses Wort sehr frei und flexibel. "Bugün" kann also auch mal morgen, übermorgen oder unter Umständen nie bedeuten. Würde man sich nach deutschem Verständnis auf "bugün" verlassen, müsste man den ganzen Tag umsonst in der Wohnung sitzen. Wartend auf die Lieferung eines Kleiderschranks, die Verabredung zum Abendessen oder den Rückruf der Bank.

3. Sing Halleluja!
Die (muslimische?!) Schule in der Nachbarschaft hat eine laute Pausenglocke, die in regelmäßigen Abständen erklingt. Die Melodie erscheint uns etwas dubios: "We wish you a merry Christmas".

4. Zu Hause ist es doch am Schönsten
Falls man den Anfängerfehler begeht, sich doch mal auf "bugün" zu verlassen (siehe 2.), kann man sich sorglos 12 Stunden auf seinem Sofa platzieren und sich bequem alles nach Hause bestellen, was das Herz begehrt. Von McDonalds über die Apotheke bis zum  Supermarkt an der Ecke, einfach jeder liefert gerne und schnell. Ein Anruf genügt und 10 Minuten später steht ein Halbwüchsiger freudestrahlend vor der Tür, um einem einen Liter Milch oder Ähnliches vorbeizubringen. Das Gegenteil also der uns sonst so vertrauten "Servicewüste".

5. Kinderbetreuung
Einige Gehminuten unserer Wohnung entfernt  findet sich nicht ein Kindergarten, auch nicht zwei oder drei. Über den Daumen gepeilt müssten es ca. 20 bis 30 Stück sein, alle hübsch aneinander gereiht volle 2 Strassen lang. Einen haben wir uns bis jetzt angesehen. Öffnungszeiten: 7.00h bis 19.30h. Völlig normal in Istanbul. Bring- und Holzeiten? Ganz egal, wann immer man möchte. Für einen Preis von umgerechnet 230€ im Monat kann man die vollen Öffnungszeiten in Anspruch nehmen. 4 üppige Mahlzeiten täglich inbegriffen sind ebenso selbstverständlich wie Englisch- und Musikunterricht.

6. Kiss me
Kinder werden hier nicht nur gemocht, auch nicht geliebt. Sie werden regelrecht vergöttert. Und so sitzt man schon mal auf der Polizeistation wegen der Aufenthaltspapiere während die Beamtin über den Schreibtisch hinweg unseren Zwerg mit Eis füttert. Die mürrischen Herren in Uniform, die unsere Wege kreuzen, schmelzen beim Anblick kleiner Pampers-Rocker dahin. So kommt es, dass die bewaffnete Staatsgewalt Süßigkeiten aus den Jackentaschen zaubert und Küsse auf kleine Stirnen verteilt.


Mittwoch, 7. Mai 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 6

70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Béa Beste

"Die Idee von Work-Life-Balance finde ich blöd. Ich lebe doch immer, auch wenn ich arbeite!"

 


Béa Beste sitzt lachend auf einer Mauer und hält die Tollabox in der Hand

Béa Beste ist in Rumänien geboren, hat nach der Geburt ihrer Tochter Kommunikation an der UdK in Berlin studiert und bei Sat1 und der Boston Consulting Group gearbeitet. 2005 gründete sie die bilingualen Phorms-Schulen. Nach 6 Jahren als CEO ging sie 2011 auf Bildungsexpedition durch Indonesien, Australien, Indien und die USA. Inspiriert von internationalen Bildungsinnovationen entwickelte sie das Playducation-Konzept: Was wäre, wenn sich lernen wie spielen anfühlt? Daraus  entstand die Idee der Tollabox! Damit möchte Béa mehr Heiterkeit ins Lernen bringen. 

Béa berichtet im Interview über ihre außergewöhnlichen Erfahrungen, Sinn und Leidenschaft und ihr Leben als Mutter, Vollzeitberufstätige und Mensch, der sich gerne weiterentwickelt. Interessante Antworten einer faszinierenden Frau, die mit ihrer Ausstrahlung schon vor Freude sprüht:


Viele junge Frauen scheuen mittlerweile die Familienplanung, da sie Sorge um ihr berufliches Weiterkommen haben. Du selbst hast deine Tochter mit 21 Jahren bekommen. Wie ging es hinterher beruflich weiter?
 

Die Schwangerschaft hat mich damals gezwungen, mich genauer zu fragen, was ich wirklich wollte. Ich steckte in einem Studium, das mich nicht erfüllte, trotz sehr guten Prüfungsergebnissen. Ich habe mal richtig nachgedacht, was ich wirklich machen will und kam zu dem Schluss: Nur etwas, was ich auch mit Leidenschaft mache, kann ich dann auch mit Kind weitermachen… Ich habe mich daraufhin für ein Kommunikationsstudium an der UdK Berlin entschieden, noch im Studium einen Trendforschungsmonitor für eine Werbeagentur auf die Beine gestellt und dann bei SAT.1 als Produktmanager gearbeitet. Einige Jahre später bekam ich die Gelegenheit, bei der Boston Consulting Group zu arbeiten - wo es immer hieß: “Studienabbrecher, no way”. “Beratung mit Kind, no way.” Da war ein Way. Ich gehe irgendwie schon gerne No-way-Wege... 

 

 2005 gründetest du diverse Schulen. Wie kam es zu dieser Idee?

 
Ich habe damals bei einem Unternehmerkongress den Biotech-Unternehmer Alexander Olek kennengelernt und er hat mich überzeugt, zusammen mit ihm Schulen zu gründen. 

 

Von der Idee bis zur Realisierung ist es ja oft ein langer Weg. Wie war das bei dir? Auf welche Unterstützung warst du angewiesen und welche Hürden musstest du nehmen?

 
Am genialsten war es, dass sich so viele Menschen von dieser Schulidee haben anstecken lassen: Ein ganzes Gründerteam, Lehrer, Eltern… Phorms ist als Teamleistung entstanden. Wir waren zusammen wie im Flow. Die zwei größten Hürden beim Schulaufbau sind:
1. Das passende Gebäude zu finden: Als Schule im Aufbau braucht man am Anfang wenig Raum, später ganz viel. Ein Gebäude zu finden, das “mitwächst” und bezahlbar ist, das die richtige Lage, gute Anbindung und Sportmöglichkeiten hat… ist Mission Almost Impossible.
2. Jedes Bundesland hat Schulgesetze. Die sind nicht gleich. Und in jedem Bundesland gibt es ein Schulgesetz, wie es geschrieben wurde. Und noch ein Schulgesetz, wie es interpretiert und gelebt wird. Das musste ich erst raffen.

 

Welche positiven und negativen Erfahrungen hast du aus deiner Zeit als CEO der Phorms Schulen mit Schülern, Lehrern, Eltern und Politik mitgenommen?


Hast du mal 2-3 Tage Zeit, dann erzähle ich sie dir… Im Ernst: Das sind so viele!!! In jeder Hinsicht. Ich möchte diese Erfahrung in meinem Leben nicht missen - es war eine geniale Zeit.


Nach 6 Jahren als CEO hast du dich dafür entschieden, auf Bildungsreise zu gehen und Konzepte aus aller Welt zu entdecken. Was war der Grund für deine Entscheidung?
 

Phorms war größer geworden und der Wachstumskurs ist (siehe Hürden) eher einem Konsolidierungkurs gewichen. Ich bin nicht der Optimierungs-Manager, der Feinheiten justiert und eine Organisation durchsteuert - ich bin einfach nicht gut darin. Mir wurde klar, dass ich wieder etwas aus dem Nichts entwickeln muss. Und da kam der Gedanke, auf Reisen zu gehen, um mehr zu lernen. 



An welches Erlebnis dieser Reise denkst du am Liebsten zurück?

 

Mein Top-Ort auf der Reise war definitiv eine Schule in Sydney: Das Sydney Centre for Innovation in Learning: Die Schule der Zukunft. (http://scil.com.au/)
Hier geht's zu Béas Video, das sie dort drehte...

 


Nach deiner Rückkehr hast du aus deinen Erfahrungen ein neues Playducation-
Konzept entwickelt. Was beinhaltet dieses?

 

Überall, wo ich erfolgreiche Bildungsprojekte gesehen habe, bin ich auf das Thema Lernen gestoßen - durch Neugier, mit Spielelementen, mit Freude, mit Alltagsbezug. Zusammen mit Pädagogen habe ich nach meiner Rückkehr einen Ansatz erarbeitet, der genau darauf basiert und die Multiplen Intelligenzen von Howard Gardner als Grundlage nimmt. Das ist unser Play-Curriculum, auf dem die Entwicklung der Tollabox fußt.


Seit wann gibt es die Tollabox und was genau erwartet deine Abonnenten?

 
Wir sind seit September 2012 auf dem Markt. Die Tollabox ist wie ein dreidimensionales Kindermagazin - so groß wie ein Schuhkarton: Das Überraschungspaket kommt monatlich mit einem bestimmten Thema und bringt Ideen und Material zum Basteln, Experimentieren und Weltverstehen. Dazu kommt jedes Mal eine neue fantasievolle Folge der Themengeschichte mit den Tollas, vier kleine Wesen von einem anderen Stern… Also: Für die Erwachsenen ist die Tollabox eine Box mit Material und Ideen, die Familienspaß bringt und sie bei der Ideensuche und dem Materialbesorgen entlastet. Für die Kids kommt ein Raumschiff mit Außerirdischen. 

 

 Wie gut wird die Tollabox angenommen? Entspricht die Resonanz deinen Erwartungen, die du an dieses Projekt hattest?


Hat JEDE Familie mit Kindern zwischen 4 und 10 Jahren in Deutschland und der Schweiz die Tollabox abonniert? Na, dann kann ich noch nicht ruhen… ;-)
Im Ernst: Die Tollabox kommt sehr gut an und wir haben sehr viele begeisterte Kunden, Eltern wie Kinder. Aber es könnten noch soooo viel mehr werden!!!
Na gut. Geduld war noch nie meine Stärke. 

 

 Welche Erfahrungen und Tätigkeiten in all deinen Jahren Berufserfahrung haben dir die größte Freude bereitet?
 

Ich trage gern dazu bei, dass Menschen wachsen - gern über sich, auch gern über mich hinaus. Ich lerne gern. Und ich bin am liebsten kreativ, stets an einer neuen Entwicklung dran.

 

Nach deinen Erfahrungen als Angestellte und als Selbstständige…welches Modell ließ sich am besten mit deinem Familienleben vereinen?

 
Grundsätzlich immer das “Ich-gehe-meiner-Leidenschaft-nach”-Modell: Ich habe immer die Dinge gemacht, die mich interessiert haben und mein Kind miteinbezogen, als Teil meines Lebens. Die Idee von Work-Life-Balance finde ich blöd. Ich lebe doch immer, auch wenn ich arbeite! Ich habe immer voll gearbeitet, ich habe immer nicht viel, aber gute und intensive Zeit mit meinem Kind verbracht - und sie ist jetzt, mit 24, ein wunderbar ausgeglichener, glücklicher Mensch. Ich habe immer das getan, was für uns gut gepasst hat - und mich wenig darum geschert, was Außenstehende sagen. 

 

 Nachdem du so viel in der Welt herumgekommen bist…Wird das Thema Vereinbarkeit Beruf/Familie in anderen Ländern auch so heiß diskutiert? Hast du besonders gute oder interessante Modelle entdeckt, von denen wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden können?

 
Ja, es wird in der Tat überall heiß diskutiert… Ehrlich gesagt, das perfekte Modell habe ich noch nicht gefunden. Grundsätzlich gilt: Je selbstverständlicher die Arbeitskraft von Frauen und die frühe Bildung geschätzt werden und je toleranter eine Gesellschaft gegenüber neuen Lebenskonzepten ist (also auch Patchworkfamilien, Homosexualität, Multikulturalität), desto besser klappt es!

 

 Wo soll die Reise in der Zukunft hingehen? Bist du mit der Tollabox „angekommen“ oder gibt’s schon Ideen für weitere Projekte?

Tollabox ist jetzt mein Fokus, Heimat, Spielplatz. Ich habe aber noch ganz viele Ideen - mal sehen, was davon sich mit der Tollabox umsetzen lässt, ohne sie zu defokussieren und was eine andere “Sandbox” braucht

 

Vielen Dank, liebe Béa, dass du deine Erfahrungen und Gedanken mit uns teilst! Mamas Lifestyle wünscht dir weiterhin viel Spaß, Freude und Energie für die TOLLABOX und alles Andere, das noch kommen wird! 

Und hier könnt ihr alles über die Tollabox erfahren (sie evtl auch bestellen?!) und Béa auf ihren diversen Social Media Kanälen folgen,auf denen sie sehr aktiv ist (tolle Tweets/Posts/Pins, das kann ich nach einigen Monaten als treuer Verfolger versprechen):

Website: www.tollabox.de

Twitter: https://twitter.com/TOLLABOX 

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