Mittwoch, 12. März 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 5


70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.


Heute im Interview: Gebkea Nieter

 

"Es immer wieder gute und auch weniger gute Zeiten. Das Wissen gibt mir die Kraft, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten."




 
Gebkea Nieter von Beruf Sportfachwirtin (IHK) und lizensierte Trainerin für moderne Umgangsformen. Mit ihrem Mann und ihrer 1,5 jährigen Tochter lebt sie in Garbsen. Nach über 10 Jahren als Fitnesstrainierin begibt sie sich nun mit Alini Kindermöbel auf neues Terrain.
Das mangelnde Angebot an schönen und funktionalen Kinderzimmer- und Spielmöbeln hat sie und ihren Mann zur eigenen Kindermöbellinie inspiriert. Seit Mitte Februar ist diese nun erfolgreich auf dem Markt. Gebkea geniesst nun das für sie ganz neue Gefühl von Teamarbeit ebenso wie die wertvolle Zeit mit ihrer Tochter.  In ihremTeam ist sie zuständig für den organisatorischen und kaufmännischen Part; Sie organisiert die Abläufe vom ersten Entwurf bis zum Erscheinen der Fotos auf der Homepage und letztendlich der Auslieferung an ihre Kunden.
In Mamas Lifestyle  spricht sie heute über Zeitmanagement, pinken Glitter und die unverzichtbare Unterstützung ihres Mannes.



War dein erlernter Beruf Sportfachwirtin dein Traumberuf? Hat es dir gefallen, in ihm zu arbeiten?

Sportmanagement wurde für mich zum Traumberuf. Ich habe über 10 Jahre lang für Fitnessstudios ebenso gearbeitet wie für Sportvereine und auch den Profisport. Die Branche entwickelt sich rasant. Das ist außerordentlich spannend. Ich habe dort viel gelernt und bin interessanten Menschen begegnet mit denen mich teilweise auch heute noch viel verbindet.

Wie hat die Geburt deiner Tochter deine Sichtweise zur Berufstätigkeit verändert?

Durch die Geburt unserer Tochter hat sich vor allem die Sicht auf meinen Zeitplan verändert. Das Leben im Sport findet oftmals während der Abende und am Wochenende statt. Das ist aber natürlich gleichzeitig die Zeit in der unser Zwerg auch zu Hause ist. Heute wäge ich anders ab. Ich nehme immer noch gerne Abend- und Wochenendtermine wahr, allerdings sehr ausgewählt und in Absprache mit meinem Partner.

Wie kam es zu der Idee, eine eigene Kindermöbellinie auf den Markt zu bringen?

Auf die Idee Kindermöbel zu gestalten und zu bauen wurden wir sozusagen gleich zwei Mal mit der Nase gestoßen. Mein Partner ist Tischler und als wir vor der Geburt auf der Suche nach einer schönen Kinderzimmereinrichtung waren, haben wir uns letzten Endes entschlossen diese selbst zu entwickeln und in der eigenen Tischlerei zu bauen. Ähnlich erging es uns dann auf der Suche nach geeigneten Kinderspielmöbeln. Nach dem fünften Möbelhaus habe ich aufgegeben.
Ich wollte weder Pink noch Glitter oder gar etwas beim ansehen schon auseinanderfällt. Meine Vorstellung sind natürliche Materialien und Objekte, die Spaß machen, etwa einen Stuhl den man zum sitzen, aber auch stapeln, umdrehen oder draufklettern nutzen kann.
Das Ergebnis - zusammen mit einer Designerin, einer Erzieherin und einer Architektin haben wir selbst entworfen und gefertigt. So entstand die Idee zu Alini Kindermöbel.

Ist dir die Entscheidung zur Selbstständigkeit leicht gefallen oder hat sie Überwindung gekostet?

Selbstständig gemacht habe ich mich gleich nach meinem Abitur, während des Studiums. Für mich hat sich dann nie wirklich die Frage gestellt, ob ich mich anstellen lassen will. 
 
Was war der ausschlaggebende Punkt, der dich zu deinem beruflichen Neuanfang motiviert hat?

Mein großer Traum ist es aber schon lange gemeinsam mit einem Team von Menschen, die mir ab Herzen liegen gemeinsam zu arbeiten. Bisher war ich immer als Einzelkämpferin beruflich unterwegs. Bei Alini arbeiten wir im Team und das genieße ich sehr. Die Firma dahinter, das sind mein Partner und ich, das Team besteht insgesamt aber aus sechs Personen, die jeweils einen Kompetenzschwerpunkt haben, der die anderen ergänzt. Wir alle arbeiten gemeinsam an der Idee, den Möbeln und der Realisierung dieses Projekts.

Was ist die größte Schwierigkeit an der Selbstständigkeit als Mutter?

Aus meiner Sicht ist die größte Schwierigkeit immer das Thema Zeit und die Herausforderung meine Familie und meinen Beruf unter einen Hut zu zaubern.
In der Zwischenzeit habe ich sehr gute Erfahrung damit gemacht, dass es klare Zeitfenster gibt. Die Zeit ab dem Abholen unserer Tochter aus der Krippe bis zum Einschlafen gehört ausschließlich ihr und am Sonntag unternehmen wir etwas als Familie.
Davor und danach ist Arbeitszeit.

Welche Vorteile bringt es mit sich?

Selbstständigkeit bedeutet für mich die Freiheit mir meine Arbeit und meine Zeit relativ frei einteilen zu können. Das birgt in vielerlei Hinsicht Vorteile und ermöglicht auch eine hohe Flexibilität, wenn ich gerade mit Kind mal spontan umorganisieren muss.

Wie sieht eure Zukunftsplanung aus? Kannst du dir vorstellen, während der Selbstständigkeit noch weitere Kinder zu bekommen und alles unter einen Hut zu kriegen?

Zum jetzigen Zeitpunkt freue ich mich, dass es unserer Maus in der Krippe so gut gefällt und ich wieder beruflich aktiv werden kann. Über weitere Kinder habe ich mir aktuell noch keine Gedanken gemacht.

Welche Unterstützung ist für dich unbedingt notwendig, um erfolgreich arbeiten zu können?

Die wichtigste Unterstützung ist mein Partner. Er steht immer hinter mir, hält mir den Rücken frei und übernimmt einen Teil der Termine. Darüber hinaus sind er und unsere Kleine ein unschlagbares Team, so dass sich beide riesig freuen, wenn Papa-Zeit ist.
Wenn unsere Tochter doch mal unerwartet aus der Krippe abgeholt werden muss oder Unvorhergesehenes eintritt, brauche ich einen Plan B. Da kann ich mich auf meine Schwester und unseren Babysitter verlassen. Das gibt mir große Sicherheit.

Gibt es einen Ratschlag, der dir durch schwierige Zeiten geholfen hat und den du gerne weitergeben möchtest?

Knapp 15 Jahre Selbstständigkeit haben mich gelehrt, dass es immer wieder gute und auch weniger gute Zeiten gibt. Das Wissen gibt mir die Kraft auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Unersetzlich sind für mich jedoch die Freunde, die auch in den schlimmsten Situationen mit Rat und Tat an meiner Seite stehen.

Hast du einen Tipp für andere Mütter, die mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit spielen? 

Sei dir des Risikos bewusst und hab Spaß!

Mamas Lifestyle wünscht Gebkea mit ihrer Familie und ihrem Projekt "Alini Kindermöbel" für die Zukunft viel Erfolg und Spaß! Vielen Dank für das Interview! 

Informationen und Bilder findet ihr auf  http://www.alini-kindermoebel.de/ 
 (besonders gut gefällt mir persönlich die "Fühlmühle")

Alini Kindermöbel

ARTfactory fischer GmbH
Brinkwiesen 3a
30826 Garbsen

Telefon: +49 5131 9085520
Telefax: +49 5131 7016517


E-Mail: info@alini-kindermoebel.de

und hier geht's zum Webshop: http://www.alini-shop.de/




Mittwoch, 5. März 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 4


70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.


Heute im Interview: Ulrike Alt


"Ich brauche verschiedenartige Tätigkeiten, um in Balance zu sein. Für Menschen wie mich gibt es sogar einen Begriff: Ich bin vielbegabt."


Foto: göttlicher fotografieren www.goettlicherfotografieren.de



Ulrike ist 1974 geboren, verheiratet und lebt mit ihrem Mann und ihrer 3jährigen Tochter in Unterhaching bei München.
Seit über 14 Jahren arbeitet sie als Projektmanagerin für einen IT-Dienstleister. Ihre Balance fand die Vielbegabte durch die Verwirklichung ihrer kreativen Ideen. Trotz ihres anspruchsvollen Jobs lebt sie ihre Leidenschaften, indem sie zusätzlich seit 2007 als Zauberkünstlerin und seit 2009 als Eventmanagerin selbstständig tätig ist. 
Doch damit nicht genug; neben diesen vielseitigen Tätigkeiten gründete sie bereits kurze Zeit nach der Geburt ihrer Tochter auch noch ihr eigenes Schmucklabel "Luxusweiberl". 
Ihr Weg bleibt auch weiterhin aufregend, denn Ulrike fand nun den Mut ihre Festanstellung zu kündigen und lässt sich diesen Sommer zum Coach ausbilden um andere beim Suchen und Finden zu beraten.
Heute spricht Ulrike über ihren außergewöhnlichen Weg, Haushaltshilfen, Skeptiker und Unterstützer und den Mut, der Stimme des Herzens zu folgen.


Du arbeitest als angestellte Projektleiterin und außerdem noch selbstständig als Zauberkünstlerin, Schmuckdesignerin und Eventmanagerin. Hattest du schon immer so vielseitige und unterschiedliche Interessen oder hat sich das erst im Laufe deines Lebens entwickelt?

Ich hatte schon immer viele verschiedene Interessen, aber was meine berufliche Situation angeht: Da bin ich irgendwie reingerutscht. ;-)
Als Projektmanagerin bzw. in der IT arbeite ich bereits seit über 14 Jahren. 2007 habe ich meine Liebe zur Zauberei entdeckt und die Zauberschule besucht. Dies hat mir den wunderbar kreativen Ausgleich zu meinem sehr strukturierten Job beschert. 2009 durfte ich das erste Mal ein Zauberfestival organisieren und danach kamen so viele Anfragen, so dass ich das Thema Eventmanagement und die Vermittlung von Künstlern aufgegriffen habe und meine Unterhaltungsmanufaktur gegründet habe.
Das Schmuckdesign hatte damals keinen Platz in meinem Leben, weil ich neben meinem anspruchsvollen und zeitintensiven Job zahlreiche Auftritte hatte. Und dann kam unsere Tochter auf die Welt ...


5 Monate nach der Geburt deiner Tochter hast du dich als Schmuckdesignerin selbstständig gemacht. Wie kam dir die Idee dazu?

Ich wollte schon immer Schmuck designen und fertigen. Leider fehlte mir neben meinem Job als Projektmanagerin, Zauberkünstlerin und Eventmanagerin die Zeit und Muße damit anzufangen. Kaum war unsere Tochter auf der Welt und (noch) pflegeleicht, hatte ich auf einmal so viel Zeit und die Ruhe Neues zu entdecken und zu erlernen.


Von deinen Ideen bis zur Realisierung…wie lange hat’s bei deinen Projekten jeweils gedauert?

Wenn ich etwas wirklich umsetzen möchte, dann geht es nach der finalen Entscheidung blitzschnell. Geduld oder Langsamkeit sind nicht meine Stärken, dafür bin ich, wenn man meine Freunde fragt, außergewöhnlich zielorientiert.


Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen? Wie bekommst du all diese Dinge unter einen Hut?

Immer dann wenn unsere Tochter aus dem Haus oder im Bett ist wird gearbeitet. Wir haben für unsere Tochter glücklicherweise einen Kindergartenplatz in einer wundervollen Einrichtung und sie geht jeden Tag mit einer großen Freude dort hin. Das verschafft mir die nötigen zeitlichen Freiräume um zu arbeiten.
Und ganz wichtig: Wir haben uns Hilfe für den Haushalt gesucht. Eine Putzfrau und eine Bügelhilfe machen unser Leben wesentlich entspannter.
Wenn ich am Wochenende arbeiten muss, dann ist „Papa-Tochter-Zeit“. Die beiden machen immer herrlich viel Quatsch miteinander. ;-)


Im Sommer beendest du deine Tätigkeit als Projektleiterin und startest eine Ausbildung zum Coach. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Mit diesem Wunsch gehe ich schon längere Zeit schwanger. Ich liebe es einfach die bestmögliche Lösung für Menschen und deren Situationen zu finden. Das trifft es wohl am besten.
Mit der Ausbildung bei Sabine Asgodom lege ich den perfekten Grundstein hierfür.


Wie sind die Reaktionen deines Umfelds auf deinen unkonventionellen beruflichen Weg?

Unterschiedlich. Einige verstehen nicht, wie man eine sichere Festanstellung in einem stetig wachsenden Unternehmen kündigen kann.
Meine Chefs lassen mich nicht gerne gehen, verstehen aber meine Entscheidung, die ich mit leuchtenden Augen verkündet habe.
Aber das Wichtigste: Die Menschen, die mir persönlich wichtig sind und deren Meinung ich sehr schätze, die unterstützen mich sehr und finden es zwar mutig aber auch toll und spannend!


Wie wichtig ist es für dich, deine Leidenschaften alle auszuleben?

Sehr wichtig. Ich brauche verschiedenartige Tätigkeiten, um in Balance zu sein.
Für Menschen wie mich gibt es sogar einen Begriff. Ich bin vielbegabt.



Gibt es eine Tätigkeit, die du über die anderen stellst und die Priorität hat?

Ehrlich? Nein. Phasenweise entwickle ich immer eine andere Leidenschaft weiter. Ich mag sie alle gleich gerne.
Die geringste Priorität hat das Eventmanagement. Damit höre ich ebenfalls auf.
Über alles andere stelle ich unsere Tochter. Sie ist das Beste, was mir je passiert ist und neben meinem Mann der wichtigste Mensch in meinem Leben.


Gibt es etwas, dass dir in deiner Selbstständigkeit schwer fällt?

Dieses alleine zu Hause sein / alleine zu arbeiten ist nicht meines. Ich vermisse die Kollegen, da ich Menschen mag und es schätze im Team zu arbeiten. Aus diesem Grund liebe ich die Kindergeburtstage* und in meiner zukünftigen Tätigkeit als Coach „menschelt“ es zum Glück wieder erfrischend viel!
* Ich zaubere für Kinder oder fertige mit ihnen im Rahmen von Schmuckparty schöne Schmuckstücke.


Stichwort Vereinbarkeit: leichter oder schwieriger als Selbstständige?

Ich denke leichter, vor allem in meiner luxuriösen Position mit einem festangestellten Partner an meiner Seite.
Welche Festangestellte kann sich mittags ganz spontan entscheiden am Abend weiterzuarbeiten und lieber sofort mit ihrem Kind ein Eis essen zu gehen? Wir sind auch schon ab und zu morgens länger liegengeblieben oder haben unter der Woche einen Ausflug in den Zoo gemacht. Ich liebe es!


Welche Schritte empfiehlst du anderen Frauen, die beruflich noch auf der Suche nach dem sind, was sie erfüllt und glücklich macht?

Lasst Euch coachen, hört auf Euer Herz und habt Mut der Stimme Eures Herzens zu folgen.


Welche Wünsche und Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte meine Ausbildung zum Coach erfolgreich abschließen, mir in München oder im Münchner Umland ein eigenes kleines Büro schön einrichten und meine Coachees (Klienten) so unterstützen, dass sie ebenfalls ihren eigenen Weg finden und gehen können.
Meine Arbeitszeiten möchte ich so planen, dass ich immer viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann und mein Traum ist es so viel Geld zu verdienen, dass wir zwei bis drei Mal pro Jahr miteinander verreisen können.
Zu Hause kann ich mich leider nicht wirklich gut entspannen.

Vielen Dank an Ulrike für die spannenden Antworten und interessanten Einblicke! Mamas Lifestyle wünscht dir für deinen Weg als Coach viel Kraft, Erfolg und Freude!  Ich freue mich schon darauf, in Zukunft die ein oder andere Geschichte von Menschen zu hören, denen du helfen kannst ihren Weg auf ebenso besondere Weise zu finden, wie es dir selbst geglückt ist.

Infos zu Ulrikes Projekten findet ihr auf folgenden Websites:

Schmuckdesign Luxusweiberl


Zauberei
http://www.salonmagie.de - Zauberei für Erwachsene


Kindergeburtstage (Zaubervorstellungen, Luftballonmodellage, Schmuckpartys, Glitzertattoos, uvm.)



Dienstag, 4. März 2014

Möbel-Shopping in Istanbul mit Kind

4 Tage unter dem Motto Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit 


Die letzten Tage war es etwas ruhig auf Mamas Lifestyle. Wer mir auf der Facebook Seite folgt, weiss bereits dass wir mit dem Zwerg Istanbul unsicher gemacht haben.
Da unser Umzug immer näher rückt, mussten wir uns langsam den großen To-Do's stellen, die das Schaffen eines neuen Zuhauses mit sich bringt. Unsere neue Wohnung haben wir schon vor 3 Wochen gefunden, nun geht's an den Nestbau.
Am Freitag haben wir Eltern uns also samt Zwerg und etlichen Koffern in den Flieger gesetzt. Etliche Koffer deshalb, weil wir sparsame Schwaben sind und planen, unsere Umzugskosten etwas zu reduzieren indem wir nach und nach schon einen Teil unseres Hausrats während der Pendelei nach Istanbul zu schaffen. Das Gewichtslimit wurde also voll ausgeschöpft und es ist uns tatsächlich gelungen, sogar etwas Geschirr heil in die neue Wohnung zu schaffen. Etliche Koffer bedeuteten in unserem Fall aber auch: Kein Platz/keine freien Hände mehr für den Buggy (dazu aber später mehr).
Unser Abenteuer begann damit, dass wir trotz vorhandenem Grundriss unsere Wohnung nochmal komplett ausmessen mussten, da Maßangaben auf türkischen Grundrissen wohl nicht üblich sind ;-)

Prunk und Protz beim Möbelkauf in Istanbuler Möbelgeschäften in Masko
wenn sich bei Prunk und Protz die Nackenhaare aufstellen, sollte man in Istanbul öfter mal die Augen schliessen

Samstag Morgens ging's dann erstmal in bekanntes Terrain...den Media Markt. Hier konnten wir fürs kleine Geld (der Eurokurs kam uns zusätzlich zu Gute) unserer Elektrogeräte finden und siehe da... im Dienstleistungsland Nr.1 war auch Zahlung in Fremdwährung möglich und eine kostenlose Lieferung zum Wunschtermin selbstverständlich.
Hinterher haben wir (wie in der Türkei schon oft) von er Hilfsbereitschaft der Türken profitiert und über Empfehlung und Organisation eines -man kann es nicht anders nennen- selbstlosen türkischen Bekannten einen zuverlässigen Dienstleister gefunden, der sich unserer Fenster-Problematik annahm. Denn Rollläden sind auch in Istanbuler Neubauten nicht üblich. Blöd, wenn man wie mein Göttergatte auch nach Sonnenaufgang absolute Dunkelheit zum Schlafen braucht und doppelt blöd, wenn man sich eine Erdgeschosswohnung anmietet und nach Anbruch der Dunkelheit nicht im Schaufenster sitzen will. Letzten Endes wird uns nun besagter Dienstleister alle Vorhangschienen (wir haben vielen Fenster) mit mehreren Vorhängen anbringen. Aufmaß und Montage mal wieder kostenlos.
Der selbe Bekannte ließ es sich nicht nehmen, uns anschliessend persönlich zu mehreren Möbelgeschäften zu bringen, die er empfehlen konnte und dort vor Ort zu bleiben um zu übersetzen und uns gute Preise auszuhandeln. Zu Hause hatte er übrigens währenddessen auf ihn wartenden Besuch sitzen und am nächsten Tag stand eine Urlaubsreise bei ihm an. Ich bin mir sicher, er hätte Besseres mit seiner spärlichen Freizeit anzufangen gewusst, aber in der Türkei scheint Hilfsbereitschaft einfach keine Grenzen zu kennen. Bislang bot uns jeder Türke, mit dem wir uns auf deutsch oder englisch verständigen konnten seine ernst gemeinte Hilfe an und so sind wir mittlerweile stolze Besitzer eines beachtlichen Visitenkarten-Stapels.
Am nächsten Tag unternahmen wir in Eigenregie noch einen Tagesausflug zu Masko, einer "Kleinstadt" bestehend aus knapp 800 verschiedenen Möbelläden. Das wir auch nach einem Tag dort noch nicht den Hauch eines Überblicks haben, versteht sich bei dieser Wahnsinnszahl wohl von selbst ;-)
Diese Auswahl hat uns dann auch prompt so erschlagen, dass wir uns nicht zum Kauf der fehlenden Möbelstücke durchringen konnten und so haben wir nun eine weitere nette Wochenaufgabe in unserem ohnehin schon zu vollen Kalender: Uns den Kopf zerbrechen, abwägen, messen, rechnen und unsere volle Vorstellungskraft einsetzen. Wer die Wahl hat, hat die Qual...


Kind hält Power-Nap beim Möbelshopping in Istanbul auf der Couch in einem Geschäft
die Müdigkeit sorgte gelegentlich für kleine Knock-outs

Während der ingesamt 4 Tage, die wir inklusive An- und Abreise mit dem Zwerg unterwegs waren, hat sich dieser wirklich wacker geschlagen. Wie bereits erwähnt konnten wir keinen Buggy mehr befördern und so kämpfte der arme Wurm täglich gegen den Schlaf. Das gelang ihr erstaunlich gut. Wir übernachteten alle im selben Hotelzimmer und da wir auch immer bis spät abends unterwegs waren, schlief der Zwerg gerade mal von 23-8h pro Nacht und hielt sich trotzdem den ganzen Tag auf den Beinen. Zwischendurch legte sie kleine Power-Naps ein. Beispielsweise während Busfahrten auf fremden Schößen. Oder auf Sofas in Möbelläden. Das schien sie aber nicht weiter zu stören, denn sie hüpfte allerbester Laune durch die Läden und genoss die Gast- und Kinderfreundlichkeit der Türken in vollen Zügen. So staubte sie Süßigkeiten und leckere Getränke in sämtlichen Läden ab und sogar ein kleines Geschenk, mit dem sie nachts stolz im Metrobus thronte.


Kind mit Geschenk bekommt im Istanbuler Metrobus einen Sitzplatz angeboten
Im Istanbuler Metrobus ist es selbstverständlich, Kindern seinen Sitzplatz anzubieten

Total geplättet und erschöpft sind wir nun zurück aber wieder einmal hatten wir einige unvergessliche Tage, die meine Vorfreude auf den Umzug wachsen lassen. Schuld an meiner Vorfreude sind wie immer die Türken, die mit ihrer Gatsfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft alles in den Schatten stellen, was mir bisher in Deutschland (und auch auf dem Rest der Welt) je unterkam. Wer sich darauf einlässt, seine Skepsis über Bord wirft und Hilfe annimmt, hat in der Türkei viel Freude. Und wieder einmal hat mich der Zwer gelehrt, wie erstaunlich flexibel Kinder sind. Auch wenn Rituale und Routine im Alltag ihre Daseinsberechtigung haben, wer ab und zu ausbricht und spontan Neues ausprobiert, wird positiv überrascht. Und wer sich von der kindlichen Freude an neuen Eindrücken anstecken lässt, wir mit doppelt soviel Spaß belohnt.

Mit guter Laune mache ich mich nun also an die weitere Planung und halte euch auf dem Laufenden....