Mittwoch, 26. Februar 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 3


70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Simone Leithe

 

"Traut euch mehr, als Ihr euch selber zutraut und seid nicht misstrauisch, wenn euch Andere einfach helfen wollen!"


KiKo Kinderkonzepte

Simone ist Mutter von 3 Kindern ( 10, 7 und 3 Jahre), verheiratet und gelernte Hotelfachfrau. Die gebürtige Münsteranerin arbeitete bis zur Geburt ihres ersten Kindes als Verkaufsleiterin bei einem Non-Food-Caterer in Köln. Nach der Geburt ihrer Tochter wurde Simone schnell klar, dass sie das Hausfrauen- und Mutterdasein nicht vollständig erfüllte und so machte sie sich als Eventmanagerin selbstständig. 
Da sie mit Kind und Kegel für den Job ihres Mannes alle 2 Jahre umzieht und die Familie so durch ganz Europa tingelt, musste nun ein neues Konzept her, das sich von überall auf der Welt realisieren lässt. 
Zum Glück sprüht die Power-Frau nur so vor Ideen und beweist mit der Gründung von KiKo Kinderkonzepte (2013), dass es auch unter erschwerten Voraussetzungen möglich ist, mit Spaß erfolgreich zu sein. Simone erleichtert uns Müttern seitdem das Leben, indem sie themenbezogene Kindergeburtstagspartys plant und alles zur Verfügung stellt, was einem als Mutter den letzten Nerv raubt (Einladungen, Spiele- und Bastelideen, Deko, Give-aways, etc). Heute inspiriert uns die kreative Unternehmerin durch Einblicke in ihr Privatleben, ihre Motivation und ihre Ideen und Pläne für die Zukunft.

Du bist gelernte Hotelfachfrau. War das damals dein Traumberuf?

Nein! *lach* Ich wollte jahrelang Innenarchitektin werden! Hatte dann aber keinen Bock auf Abi, wollte nach der 10. dann zu Verwandten nach Kanada, woraus aber wegen Krankheit kurzfristig nichts wurde. Durch Zufall las mein Vater eine Anzeige von einer Hotelfachschule und ich war Feuer und Flamme! Ausbildung, viele tolle Jobs in vielen tollen Hotels in ganz Deutschland, bis ich dann als Verkaufsleiterin im Event-Catering gelandet bin!

Nach der Geburt des ersten Kindes hast du dich bereits als Eventmanagerin selbstständig gemacht. Wie kam es dazu?

Unsere Süße war so lammfromm, dass ich mich schnell gelangweilt habe. Wir waren gerade erst in eine fremde Stadt gezogen, ich hatte schwanger natürlich keinen Job gefunden und das Mutter- und Hausfrauendasein reichte mir einfach nicht! Und da kam das Angebot mit der Unterstützung zur Ich-AG ganz recht. Als wir dann aber ins Ausland gezogen sind habe ich pausiert!.

Du hast mittlerweile 3 Kinder. Wie wichtig war es dir auch als Mutter beruflich deinen eigenen Weg zu gehen und Freude an deiner Arbeit zu haben?

Erst mal gar nicht! Mein Mann wird alle paar Jahre weitergeschickt. In Spanien wurde unser Sohn geboren, und wir sind viel per Flieger nach Deutschland gependelt. Während des Umzugs zurück nach Deutschland wurde ich leider krank und war froh, überhaupt alles geregelt zu bekommen und dann hat es lange gedauert bis alles wieder besser ging. Und prompt war ich wieder schwanger! Und da alle Kinder in den Genuss von 2-3 Jahre lang 100% Mama kommen sollten, habe ich mich erst als die Lütte in den KiGa kam mit KiKo selbständig gemacht!

Hat sich durch deine Kinder deine Einstellung zum Beruf verändert?

Ja, eindeutig! Früher war mein Job mein Leben! Ich hatte nie einen 9to5-Job. Ich habe meistens 12-15 Stunden am Tag gearbeitet und es geliebt. In der Gastronomie nichts Ungewöhnliches! Aber jetzt habe ich nach Etwas gesucht, das ich machen kann wenn die Kinder vormittags nicht da sind und auch keinen Schaden nimmt, wenn dann mal Eines krank wird.

Was hat dich im Sommer 2012 zu deinem Blog inspiriert?

Ich bin ein lustiger, kommunikativer und unheimlich mitteilungsbedürftiger Mensch! Ich habe komische Ideen und denke sehr oft in Comics. So mit Hintergrundgeräuschen und übertriebenen Szenen. Ich liebe z.B. diese tragbaren Löcher, die die da einfach vom Boden aufheben, an die Wand machen und darin verschwinden! Und so stelle ich mir hier halt manchmal was vor! Die Anekdoten die frau in einer so großen Familie erlebt, blockierten einfach mein Hirn! Durch unsere Umzüge kenne ich immer nicht soooooo viele Leute vor Ort. Also hörten mir auch nicht so viele zu. Nur meine Familie und Freunde auf Facebook. Und DIE haben mir schon immer gesagt, dass das was ich schreibe an die Öffentlichkeit gehört! Bevor ich aber einen Verlag suche wollte ich mal testen, ob „Fremde“ mich auch lustig finden denn das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich dachte immer "das finden die doch nur witzig, weil sie mich und meine Art kennen"!

Seit Oktober 2013 gibt es „Kiko Kinderkonzepte“. Wie lang schlummerte die Idee schon in der Schublade?

Lange! Seeeeeeeeeeehr lange! Genau genommen über 6 Jahre. Erst habe ich nur fantasiert, dann habe ich mitbekommen wie gerne manche Hilfe hätten, sich aber keinen Partyservice, Zauberer oder Ähnliches leisten wollten und als ich als Dankeschön für die Hilfe bei unserer Party, einer Freundin dann mal ein Konzept geschrieben habe, meinte sie nur: "Da solltest Du was draus machen, das war perfekt!"

Durch den Beruf deines Mannes zieht ihr alle 2 Jahre in eine neue Stadt. Ich kann mir gut vorstellen, dass so viel Veränderung auch immer viel organisatorischen Aufwand mit sich bringt. Was hat dich motiviert trotz vieler Aufgaben und Verantwortungen den Mut zur Selbstständigkeit zu haben?

Auch hier habe ich mir eben lange Gedanken gemacht. Auch Umzüge und Neuanfänge werden irgendwann zur Routine. Aber als ich mich das erste Mal selbständig gemacht hatte, habe ich 1 Jahr für Aquise verbraucht, dann hatte ich 2 supertolle Großaufträge (ich hätte auch kleine gemacht, aber da kam nix!) und den Fuß in der Tür eines Großunternehmens. Dann kam der Anruf: „Wir können nach Spanien“. Wir konnten nicht wiederstehen! Und da nie absehbar ist wohin es weitergeht und ich nicht immer und immer wieder von vorne anfangen möchte, habe ich halt gedacht, dass ich etwas machen muss, das ich online verkaufe und so wurde KiKo geboren!

Auf welche Unterstützung bist du angewiesen?

Auf gar keine, und ich glaube darum macht es auch so wahnsinnigen Spaß! Ich bin aber auch ganz schlecht im „Hilfe annehmen“! Nicht immer gut!

Welche Vorteile bringt für dich die Selbstständigkeit als Mutter im Vergleich zu einer angestellten Tätigkeit?

Die allseits Bekannten: Im Krankheitsfall der Kinder bin ich halt da und muss mich vor niemandem rechtfertigen warum ich schon wieder zu Hause bleiben muss! Das Risiko ist im Gegensatz zu Müttern mit einem Kind ja dreimal so hoch! Keiner redet mir rein und ich entscheide alleine! Ich kann mir flexibel einteilen, was ich wann mache und habe keinen Druck von „Oben“, ich bin eben gern mein eigener Chef! Meine Eltern sind allerdings auch selbständig. Und ich vermute, das prägt. Ich wollte vor 12 Jahren schon meinen Job in Köln reduzieren und mich nebenbei mit etwas GANZ ANDEREM selbständig machen, aber da machte mir der 11. September einen Strich durch die Rechnung. Die Eventbranche knickte voll ein, wir mussten Mitarbeiter entlassen und ich musste eher mehr arbeiten statt weniger!

Welche großen Hürden musstest du mit Kiko bereits meistern und wie ist dir das geglückt?

Bisher zum Glück noch keine!

Ließ sich deine Arbeit immer gut mit dem Privatleben koordinieren und gab/gibt es Schwierigkeiten?

Bisher hatte ich noch keine Schwierigkeiten. Meine Kinder haben echt Verständnis wenn Mama mal was fertig machen muss. Aber sie wissen auch, dass ich anschließend zu 100% für sie da bin!

Welche Ziele hast du beruflich und privat für die nächsten Jahre?

Beruflich gebe ich KiKo 2 Jahre. Entweder rentiert es sich dann oder ich probiere einfach die nächste Idee aus. Ich habe da noch so Einige!!! ;-) Und ich habe 2 Buch-Vorhaben. Aber da habe ich kein zeitliches Ziel!
Privat möchte ich mir unbedingt erneut eine Yoga-Woche für mich GANZ ALLEINE gönnen!

Ein Tipp, den du selbst gerne bekommen hättest, als du dich zur Selbstständigkeit entschieden hast?

Keine Ahnung... Im Vorfeld habe ich keine Tipps bekommen. Es wussten aber auch nicht allzu viele davon. Alle Tipps die ich seit dem bekommen habe, waren Gold wert und hatten in erster Linie mit der Erstellung der Website zu tun. Ich bin immer wieder dankbar für die vielen guten Freunde, die sich nun auch ungefragt einmischen, und dankbar, dass ich auf Facebook so viele wundervolle mein Leben inzwischen echt bereichernde Frauen kennenlernen durfte, die ich hoffentlich auch irgendwann mal persönlich sehen darf!
Mein Tipp an alle (auch wenn ich den nicht bekommen habe):
Traut euch mehr als Ihr euch selber zutraut und seid nicht misstrauisch, wenn euch Andere einfach helfen wollen!


Infos zu Simones Dienstleistungen (die nebenbei bemerkt sogar traumhaft erschwinglich sind) findet ihr auf ihrer Hompegage http://www.kiko-slevents.de.

 
Tel: 0351/ 27 99 88 3
E-Mail: info@kiko-slevents.de

Und ihren lesenswerten Blog "Mein Leben als Familienmanagerin"





Donnerstag, 20. Februar 2014

Das Recht auf Krankheit

Eine Mutter heult sich aus


Wehmütig denke ich an Zeiten zurück, in denen "krank sein" zwar unangenhem, nervig oder schmerzhaft war, aber irgendwie auch gelegentlich erholsam und schön.

Erinnert ihr euch, wie es als Kind war? Wenn man krank im Bett lag, nicht in Kindergarten oder Schule musste und liebevoll von Mama mit Wärmflasche, warmem Tee und Zwieback umsorgt wurde? Zwischendurch wurde noch gestreichelt, bemitleidet und vorgelesen.


Später hatte man zwar niemanden mehr, der einen umsorgte, allerdings konnte man das auch schon selbst tun. Schnell ein Telefonat erledigt und sich krank gemeldet, und dann wieder ins warme Bett gekrochen. Dem Partner oder der besten Freundin wurde eine SMS geschickt woraufhin man zumindest virtuell bemitleidet wurde. Man warf sich Grippostad oder Ähnliches ein und verbrachte den ganzen Tag im Bett/ vor dem Fernsheer, zwischendurch raffte man sich nur auf um eine Tiefkühl-Pizza in den Ofen zu schieben. So enstpannt vor sich hinleidend verbrachte man dann 1-2 Tage zu Hause und war hinterher wieder fit wie ein Turnschuh, man freute sich sogar, dass Haus wieder zu verlassen.

Heute, diverse Jahre und 2 Kinder später wache ich mich dröhnendem Schädel auf (weil mir ein kleines Händchen ins Gesicht patscht und "Frühstücken" quakt). Ich strecke mich und stelle fest, dass sich mein Körper anfühlt, als sei ich überfahren worden. Ich beiße die Zähne zusammen und trage meinen 13-Kilo-Brocken ins Eßzimmer, wecke kurz die große Schwester und bereite das Frühstück zu. Beim Husten schiessen mir Tränen in die Augen weil der Rachen wund ist und ich mittlerweile so starken Muskelkater habe, dass es unerträglich ist. Und so taumle ich durch die Wohnung im Fieberwahn, suche Hello Kitty Haarspangen und erledige ähnlich weltbewegende, unaufschiebbare Dinge. Wenn keiner hinschaut, lege ich mich schon mal ein paar Minuten auf den Fußboden und wünsche mir, jemand würde die Zeit anhalten. Oder mich zurückbeamen in eine Zeit, in der man krank werden durfte und die Welt Verständnis hatte.

Zugegeben, es ist nicht fair, meinen Kindern Verständnislosigkeit vorzuwerfen. Grade die Große kann durchaus mitfühlend sein, streicht mir auch mal übers Haar und bemitleidet mich Jammerlappen. Allerdings reichen diese 40 Sekunden nicht zum Auskurieren, denn direkt im Anschluß muss ich schon wieder venezianische Tanzschritte einstudieren oder mit dem kleinen Yakari durchs Wohnzimmer galoppieren.

Mutter sein ist wohl der einzige wahre Full-time Job auf dieser Welt. Der einzige Job ohne Urlaubs- und Krankheitstage. Und so sind wir gezwungen, mit Hexenschuss einen Einkaufswagen samt Maxicosi durch den Supermarkt zu bugsieren oder mit Grippe im Publikum der Schulaufführung zu sitzen (mein morgiger Ausblick). Die ganze Misere wird dadurch gekrönt, dass Mütter mit Vorliebe entweder gleichzeitig oder kurz nach dem Nachwuchs krank werden, denn die kleinen Bazillenschleudern schleppen die Viren meist aus Kindergarten oder Schule nach Hause. Was in der Praxis bedeutet: Man ist sowieso schon ein paar Tage mit seinen Pflichten im Verzug und seinen Kräften am Ende, hat man doch ein oder mehrere Bündel Elend durch die Arztpraxen und Wohnung geschleppt, ein oscarreifes Unterhaltungsprogramm abgeliefert um dem ständigen Tränenfluß ein Ende zu bereiten und nachts vollgespuckte Betten frisch überzogen.

Heute Nachmittag versuche ich mich im Krankenhaus spielen und während ich "verdoktort" werde, erhoffe ich mir, unauffällig ein paar Minuten wegdriften zu können.

Was macht ihr wenn ihr krank seid? Das Gut-Mutter-Sein über Bord werfen und die Kinder auch mal eine Weile vor dem Fernseher parken? Oder schleppt ihr euch mit verbissenem Lächeln übern den Spielplatz?
Ich tendiere ja zu Ersterem. Und nun steinigt mich bitte nicht, sondern tätschelt mir die Wange und sagt mir, dass alles wieder gut wird.

Mittwoch, 19. Februar 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 2



 
70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.

 

Heute im Interview: Kerstin Schellenberger


"...endlich kann ich das tun, was ich am besten kann und mir sehr viel Spaß macht: Schreiben und Fotografieren!" 
 

Kerstin ist 37, alleinerziehend und lebt mit ihrem 4jährigen Sohn in Hamburg. 
Nach Ende ihrer Elternzeit entschied sich die Werbekauffrau einen beruflichen Neuanfang zu wagen und Fotojournalismus zu studieren.
Im Rahmen ihres Studiums hatte sie die Idee für ein Müttermagazin. Bei der Theorie ist es nicht geblieben und so eroberte sie seit September die Herzen von über 35.000 Facebook-Usern im Sturm.  Online- und Printausgabe sollen in Kürze folgen und auch mit ihrem persönlichen Blog startet sie durch. 
Auf Mamas Lifestyle spricht die Social-Media-Queen heute über die Kunst, alles unter einen Hut zu kriegen, ihre Vorbildfunktion, soziale Isolation und Geduld.






Auf Facebook hast du im September 2013 die Seite „Mütter Magazin“ gestartet. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich habe vor einem Jahr ein Studium an der Akademie „Deutsche POP“ als Fotojournalistin begonnen. Im Texterkurs mussten wir eine Zeitung entwickeln, und da hatte ich sofort die Idee für das Müttermagazin als Stadtmagazin für Mütter in Hamburg. Das hätte ich mir nämlich gewünscht, als ich mit meinem Sohn vor drei Jahren hierher gezogen bin.
Als das Projekt dann beendet war, habe die Seite auf Facebook gegründet, damit meine Idee nicht im Sande verläuft, und habe gleich Kontaktgrupen für Mütter in Großstädten gegründet. Es ist nämlich nicht so leicht, im Alltag andere Mütter kennenzulernen. Ich freu mich sehr, dass das andere genauso sehen, denn die Gruppen werden immer voller.

Das Onlinemagazin startet im April und auch die Printausgaben sind in Arbeit. Ausserdem schreibst du seit Kurzem auch auf deinem eigenen Blog www.elbkindl.wordpress.com. Wieviel Zeit nehmen deine Projekte in Anspruch und wie organisierst du dich?

Ich stehe sehr früh auf – meistens um 5 Uhr, damit ich noch Zeit habe bis mein Sohn aufwacht. Wenn ich ihn dann in die Kita gebracht habe, arbeite ich weiter, derzeit noch von zuhause aus. Daher kann ich das alles ganz gut mit den alltäglichen Aufgaben verbinden. Die Facebookseite nimmt am meisten Zeit in Anspruch, da ich tagesaktuell arbeite und meinen Leserinnen so viel Information wie möglich zukommen lassen möchte. Daher bin ich auch unterwegs immer online. Mein Blog ist eher ein Hobby, und ich schreibe nur wenn ich wirklich einen guten Gedanken habe. Da setze ich mich nicht unter Druck. Die Vorbereitungen für das Printmagazin sind schon weit fortgeschritten, das Onlinemagazin ist gerade in der technischen Umsetzung. Ich hoffe, dass wir das bis April schaffen! Ich mache nämlich ungern halbe Sachen.

Empfindest du es als Alleinerziehende als besonders schwierig, deine beruflichen Ziele zu verwirklichen?

Ich habe das Glück, dass unsere Kita direkt um die Ecke ist, und mein Sohn dort bis zu 10 Stunden sein kann. Was aber eher der Ausnahmefall ist. Da ich schon immer mit ihm alleine bin, kann ich es mir gar nicht anders vorstellen. Auch haben wir sehr liebe Pateneltern, wo er jedes zweite Wochenende ist, und ich mich auch mal etwas entspannen kann. Ich denke nicht, dass die berufliche Verwirklichung etwas mit dem Beziehungsstatus zu tun hat. Es ist eher ein Vorteil, da ich keinen Partner habe, der mir in meine Pläne reinredet und sich aufgrund meiner intensiven Arbeit zurückgesetzt fühlen könnte.
Außerdem war ich schon immer ein Organisationstalent, daher gelingt es mir recht einfach, alles unter einen Hut zu bringen.

Dein Sohn ist jetzt 4 Jahre alt. Inwieweit beeinflusst er deine Einstellung zu deinem Beruf?

Ich möchte meinem Sohn ein Vorbild sein, indem ich arbeite. Er soll lernen, dass Geld nicht an den Bäumen wächst, und dass man Initiative ergreifen muss um Ziele zu erreichen. Auch, dass Arbeiten etwas mit Berufung zu tun hat - Also, dass man auch Spaß daran hat und dass es einen erfüllen kann. Daher: Augen auf bei der Berufswahl! ;-)

War für dich immer klar, an welchem beruflichen und privaten Punkt du heute stehen würdest oder hat sich dein Weg eher „zufällig“ ergeben?

Ich denke nicht, dass man nach der Schule schon genau wissen kann, wo man mit Mitte Dreißig stehen wird. Man kann natürlich Ziele haben, aber das Leben hat immer Überraschungen für einen, mit denen man auch umgehen muss. Ich hatte damals mit Praktika beim Fernsehen begonnen, dann noch Medien-Marketing studiert und eine lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet. Mit Ende 20 habe ich dann noch eine Ausbildung zur Werbekauffrau gemacht, aber irgendwie war das alles nicht das, was ich wirklich wollte. Als mein Sohn dann drei Jahre alt wurde, musste ich mich entscheiden: entweder in einem Job weiter zu arbeiten, in dem ich mich nicht wohl fühlte, oder noch mal etwas Neues angehen. Und das habe ich dann auch gemacht, und endlich kann ich das tun, was ich am besten kann und mir sehr viel Spaß macht: Schreiben und Fotografieren! „Choose job you love, and you will never have to work one day in your whole life!“

Was empfindest du als die größte Hürde, wenn man als Mutter seine eigenen Projekte realisieren möchte?

Naja, als Alleinerziehende hat man natürlich wenig Geld, und ich warte noch auf die Gründerförderung vom Jobcenter, damit ich mich endlich selbstständig machen kann. Ich habe unter Hochdruck meinen Businessplan zum Termin im Januar fertiggestellt, und immer noch nichts von denen gehört. Das sind Dinge, die mich wirklich nerven und ich als Hürden empfinde. Das Muttersein an sich empfinde ich nicht als Hürde für den beruflichen Erfolg.

Inwiefern bereichert dein Beruf dein Privatleben?

Seit der Gründung des Müttermagazins habe ich sehr viele neue Kontakte zu anderen Müttern geknüpft, die mein Leben unwahrscheinlich bereichern! Ich war die ersten Jahre mit meinem Sohn sehr alleine und mir hat dieser Austausch wirklich gefehlt. Auch erfüllt es mich, etwas zu tun, was mir Spaß macht und anderen gefällt. Ich denke, ich kann vielen Müttern damit aus der Isolation helfen, und das gibt mir ein gutes Gefühl.

Viele Mütter halten sich bei der Verwirklichung ihrer beruflichen Träume zurück, da sie das Gefühl haben durch die geringere verfügbare Zeit keinen Erfolg haben zu können. Was rätst du ihnen?

Träume kann man sich nur erfüllen, indem man Zeit dafür investiert und hart daran arbeitet. Man wird es irgendwann bereuen, seine Ziele nicht verfolgt zu haben.

Mutige Projekte können immer auch scheitern. Gab es bei dir mal einen kritischen Punkt an dem du dachtest „Jetzt schmeiss ich alles hin!“?

Bisher noch nicht! Ich habe das Glück, dass ich täglich mehr Fans bekomme und auch unwahrscheinlich liebe Leserbriefe. Das gibt mir die Motivation immer weiter zu machen, auch wenn es manchmal anstrengend ist.

Was war der wertvollste Tipp, den du je erhalten hast?

In der Ruhe liegt die Kraft!
Ich war früher immer sehr ungeduldig und wollte alles auf einmal realisiert haben, nach dem Motto: ich verändere die Welt an einem Tag. Mit den Jahren habe ich aber gelernt, auch abwarten zu können. Wenn mal eine Zeit lang nichts passiert, macht mich das nicht mehr so unruhig. Und die besten Dinge passieren meistens dann, wenn man sie nicht erwartet!

Welche Pläne und Ziele hast du für die nächsten Jahre und unter welchen Voraussetzungen lassen sie sich umsetzen?

Ich arbeite an der Umsetzung des Online- und des Printmagazins, möchte mir sobald wie möglich ein Büro anmieten und irgendwann auch ein paar Redakteurinnen mit im Boot haben. Der Grundstein ist schon gelegt, momentan heißt es noch: abwarten! ;-)
 
Vielen Dank für dieses Interview! Deine erste Abonenntin fürs Printmagazin hast du in der Tasche. Ich wünsche dir, dass dir weiterhin die Dinge zur rechten Zeit passieren und dir die perfekten Büro-Vermieter und Redakteurinnen die Bude einrennen :-) !

Schenkt Kerstins MÜTTERMAGAZIN ein "Like" auf Facebook und erhaltet eine tolle Mischung aus Info's, vielseitigen Themen, Gedanken, Spaß, schönen Fotos und unterhaltsamen Sprüchen:


Dort findet ihr auch die Links zu den Kontaktgruppen aller Großstädte.
 

Kerstins lesenswerten Blog findet ihr auf:

 

Dienstag, 18. Februar 2014

Ich glaub, mich tritt ein Kind


Bekenntnisse einer Schwangeren...

Und schonungslose Wahrheiten einer dreifachen Mutter



Wie hab ich mich gefreut als vor einigen Tagen mein Rezensionsexemplar des Schwangerschafts-Buches  "Ich glaub, mich tritt ein Kind" von Lisa Harmann und Caroline Rosales eintraf. Ich lese sehr gerne den Blog http://www.stadt-land-mama.de/ der beiden Autorinnen und hatte daher schon eine Ahnung, was mich erwarten würde. Und- was soll ich sagen- ich wurde nicht enttäuscht, besser noch: meine Erwartungen wurden übertroffen.

Trotz Umzugsstress, Arbeit, 3 Arztterminen und 2 Elterngesprächen habe ich dieses Buch mit Freude innerhalb von 3 Tagen verschlungen. Wer bereits Kinder hat, weiss was das heissen muss :-).


Das Buch ist ein Dialog der beiden Autorinnen. Caro, die erstmals Schwangere, bittet ihre Freundin und 3fach Mama Lisa um Rat und Erfahrungswerte.

In diesem Buch erwarten euch nicht die üblichen Tips wie Himbeerblütentee und Stillhütchen, keine 08/15 Infos , mit denen man ohnehin schon in Schwangerschaftsheftchen und Internetforen zu genüge zugespamt wird. Es werden die wirklich interessanten Dinge angesprochen. Die Sorte Schwangerschaftsfragen, die man (wenn überhaupt) nur der besten Freundin stellen kann.
Es geht um Sex ("Presslufthammer vor der Haustür"), Angst vor dem Spießertum ("Wie kann ich verhindern, dass ich mich in eine asexuelle, überbesorgte Babyflüsterin in Funktionskleidung verwandle?"), schreckliche Vornamen (meine Nr. 1 ist übrigens Egidius), noch schrecklichere Mütter ("ehe ich mich versehe, latsche ich täglich mit dem Kinderwagen zur PEKiP-Nacktspiel-Gruppe, tratsche mit meinen Stirnband-Öko-Filzjacken-Freundinnen über die neuste Naturkosmetik und futtere Kekse, während mein Kerl Überstunden in der Kneipe schiebt und seine Sekretärin mit dem Fick-mich-Röckchen nagelt") und nervige fremde Kinder.
Und wen diese Themen in der Schwangerschaft nicht quälen oder gequält haben, der wird spätestens bei bei den Stichworten Rabenmutter, Klugscheisser-Ratschläge, sich abwendende Single-Freunde, hässliche Umstandskleidung, überteuerte Erstlingsausstattung, etc fündig. 
Alles was einen während der Kugelzeit so nachts um den Schlaf bringt ist hier wunderbar unterhaltsam und kurzweilig zusammengefasst und endlich - Gott sei Dank!- weiss man, dass man nicht die Einzige ist/war. Nicht die Einzige genervte, die nicht 9 Monate voller Glückseligkeit in sich ruhend vor sich hin meditiert hat.

Und auch für mich, die bereits 2 Schwangerschaften mit hervorragenden Resultatet überstanden hat, waren noch einige Überraschungen dabei. Nachdem ich im Kreißsaal nach meiner 1. Entbindung von der Hebamme gefragt wurde, ob ich meinen Mutterkuchen mit nach Hause nehmen (!!!!) möchte, war für mich neben meinem Kind auch ein Mysterium geboren. Ich ließ mich später aufklären, dass manche Paare den Mutterkuchen im Garten verbuddeln und einen Baum draufpflanzen. Damals fraget ich mich schon: "Wer macht denn sowas?!" Dank dieses Buches weiss ich nun sogar von Frauen, die ihre Plazenta wahlweise alleine oder in Gesellschaft (Plazenta-Partys) VERSPEISEN....Uuuuuuaaaahhh!

Ihr seht, eine Mischung aus unterhaltsamen Anekdoten und wirklich wichtigen Sorgen, die geklärt werden müssen. Das Ganze ist so treffend und witzig formuliert, dass man sich und sein Umfeld auf jeder Seite wiederfindet und beim Lesen alle paar Minuten in schallendes Gelächter ausbricht. 
Alles in Allem also ein Buch, an dem ich nur eines auszusetzen habe: Es wurde zu spät geschrieben :-) . 
Was hätte ich dafür gegeben, wenn es mich durch meine erste Schwangerschaft begleitet hätte...
Aber immerhin ist es das erste sinnvolle Schwangerschafts-Geschenk, das ich bislang entdeckt habe. WATCH OUT Ladies...wer demnächst schwanger wird, weiss was er von mir im Briefkasten findet (besser als eine Relax-CD mit Walgeräuschen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer!).


Freitag, 14. Februar 2014

Ich bin die EINE unter 10

DANKE sagen



Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebe! Auch wenn ich kein Fan von kitschigen Karten, roten Rosen, Plüschbärchen und Herzluftballons bin (oder vielleicht gerade deshalb), möchte ich an diesem Tag ein paar ehrliche Worte zur Liebe loswerden. Zu meiner "großen" Liebe um genauer zu sein. Nein, heute geht es hier nicht um den lieben Nachwuchs. Es geht um meinen Mann.

Laut einer amerikanischen Studie der Universität von Denver verschlechtern sich 9 von 10 Beziehungen nach der Geburt eines Kindes, die Paare sind nicht mehr so "glücklich" miteinander. Vielleicht bin ich die EINE Glückliche unter 10, deren Beziehung nicht unglücklicher wurde. Vielleicht liegt es aber auch am Blickwinkel, denn trotz Veränderungen bin ich über ein gutes Gespräch mit meinem Mann auch dann glücklich, wenn es müde, in Jogginghose und auf dem Balkon stattfindet statt klischeemäßig beim Candlelight-Dinner im Abendkleid.

Wir haben nicht die "optimalen" Voraussetzungen für eine glückliche Ehe:
Seit Beginn der 2. Schwangerschaft ist mein Mann berufsbedingt mind. 20 Tage im Monat nicht zu Hause,  unser Schlafzimmer teilen wir seit knapp 2,5 Jahren mit dem Zwerg, wir haben keine festen "Paar-Zeiten", teilen keine Hobbys und vielen Punkten noch nicht einmal die Meinung. Ausserdem ist unsere Beziehung nicht harmonietriefend und in rosa Watte verpackt, manchmal kracht's und gelegentlich fliegen auch mal Gegenstände und böse Worte.

Aber unsere Beziehung ist besonders. Besonders ehrlich, besonders liebevoll, besonders aufrichtig und macht mich so glücklich, dass ich weiss: Es gibt keinen besondereren Menschen als ihn auf dieser Welt, der so besonders gut zu mir passt.

Deshalb möchte ich meinem Mann heute DANKE sagen.
Danke dafür, dass er


  • an mich und meine Ziele glaubt und mich unterstützt 
  • meinen Kindern der beste Vater ist, den man sich wünschen kann
  • mit mir vom Baumhaus am Ende der Welt träumt
  • darüber hinwegsieht, dass ich manchmal unausstehlich bin
  • die Wäsche aufhängt, wenn mir der Keller "zu kalt" ist
  • die richtigen Worte findet wenn ich Trost oder Motivation brauche
  • sich nie über meine freundliche "To-Do-Liste" beklagt, die ich hinterlasse wenn ich arbeiten gehe. Besser noch: er erledigt einfach ALLES, bis ich wieder zu Hause bin
  • geduldig 2 Stunden auf dem Sofa wartet, wenn ich "Zeit für mich" brauche und in der Badewanne relaxe
  • mich kritisiert, wenn es berechtigt ist
  • sich nach einem 15-Stünden-Tag mein stundenlanges Gequassel anhört, wenn wir uns tagelang nicht gesehen haben
  • meine Standpunkte respektiert, auch wenn er sie nicht teilt
  • mit mir über Dinge lacht, die sonst keiner lustig findet
  • mit mir für jedes Problem eine Lösung findet
  • seit über 7 Jahren mit mir über dieselben Themen streitet und diskutiert, ohne die Leidenschaft zu verlieren
  • zum obersten Kriterium seiner Entscheidungen unser Familienglück macht
  • mich Recht haben lässt, auch wenn ich mal im Unrecht bin (was äußert selten vorkommt ;-) )
  • mich schön findet, sogar wenn ich aussehe wie Ar***
  • mich jeden Tag (!) zum Lachen bringt
  • mich mit all meinem Wahnsinn liebt so wie ich bin
  • aufsteht und mitmacht, wenn ich durchs Wohnzimmer tanze

Wir alle sind von Zeit zu Zeit egoistisch und selbstsüchtig, werden sauer wenn das Verhalten des Partner nicht unseren Erwartungen entspricht. Wünschen uns, dass alle unsere Bedürfnisse befriedigt werden und erwarten, dass der Partner sie unausgesprochen erkennt und erfüllt. Wir finden gerne das Haar in der Suppe, motzen über unerledigte Dinge anstatt anzuerkennen, was bereits geleistet wurde. Beziehungen erleben Höhen und Tiefen. Wichtig ist, sich bewusst zu machen dass meist die eigene Situation Schuld an  Unzufriedenheit trägt, nicht der Partner.

Wir denken intensiv darüber nach, wie wir unsere Kinder erziehen, ermutigen und bestärken.
Wir setzen uns mit unseren Jobs und Qualifikationen auseinander und wollen immer besser werden.
Sollten wir uns nicht auch Zeit dafür nehmen, über unsere Partnerschaft nachzudenken? Auch mal den Partner ermutigen und bestärken? Sich selbst im "Liebe schenken" verbessern? Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit zeigen, für das was wir bekommen?

Mit diesem Gedanken "entlasse" ich euch in den heutigen Tag und Wünsche mir, dass auch ihr jemanden habt, dem ihr DANKE sagen könnt. Jemanden, der euer Leben bereichert oder sogar vervollständigt. 
Und dass dieser Jemand eure Liebe ebenso erwidert und Euch heute eine besondere Freude macht...







Mittwoch, 12. Februar 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 1





70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Anette Weiss

  
"...es gibt nicht viel Schöneres, als anderen Menschen beim Wachsen und Werden behilflich sein zu dürfen. "
 

Wenn eine Vermögensberaterin sich gegen finanzielle Sicherheit und für die Realisierung ihrer beruflichen Vorstellungen entscheidet, muss das etwas heissen.
Anette ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter (17) und einen Sohn (14).
Sie arbeitete 19 Jahre lang als Angestellte bei der Bank. Als ihre Kinder dem Kleinkindalter entwachsen waren, studierte sie nebenberuflich 3 Jahre. 
2010 gründete sie mit 40 Jahren ihre eigene GmbH, da Bankberatung nicht mehr ihren eigenen Werten und Standards entsprach. Sie entschied sich, wieder mit Freude arbeiten und es besser machen zu wollen.
Die bewundernswerte Unternehmerin spricht heute offen und ehrlich über Familie und Arbeit, Leidenschaft und den Mut, die (Finanz)welt ein Stücken zu verbessern.



Du bist gelernte Bankerin. Hattest du schon immer ein großes Interesse an Finanzen oder hat
sich der Weg eher zufällig ergeben?


Als Unternehmertochter und Lateinversager hatte ich schon Wirtschaftsabitur gemacht, BWL und
VWL fand ich immer schon sehr spannend. Da ich aber unsicher war, was ich studieren sollte, dachte ich, eine Banklehre wäre zur Entscheidungsfindung hilfreich – und „später“ schaut man dann mal weiter…
Ich bin dann in dem Job hängengeblieben, habe aber meine echte Leidenschaft für Bank und
Geld erst nach der Geburt unserer Tochter entdeckt: es hat sich nämlich herausgestellt, dass der
Hausfrau und Mutter­ Beruf mich nicht glücklich macht. Ich bewundere jede Frau, die darin aufgeht
– denn ich hatte mich da in mir selbst ganz schön getäuscht. 


Du warst 19 Jahre lang Angestellte und arbeitetest dich in dieser Zeit vom Schalter bis zur Vermögensberaterin hoch. Während dieser Zeit hast du deine beiden Kinder bekommen.
War es für dich als Mutter besonders schwierig, dich bei der Bank zu behaupten?


Teilzeit zu arbeiten, Mutter und Frau zu sein war auf jeden Fall nicht hilfreich beim Verhandeln um Gehalt und Karrierechancen. Behaupten konnte ich mich also nur über Leistung – aber ehrlich gesagt war mir das ganz recht. So konnte ich nämlich solche Dinge sagen wie „Wenn ich das als Halbtagskraft doch schaffe, dann solltest Ihr das als Vollzeitkräfte doch erst recht erreichen!“ …
Fakt ist aber, dass ich immer mindestens eine Gehaltstufe unter den – mir offiziell gleichgestellten, teilweise sogar mir untergebenen – Männern bezahlt wurde. Und karrieretechnisch habe ich nach meinem Studium dann auch recht flott bemerkt, dass in solch alteingesessenen und männerdominierten Strukturen wie sie in einer Bank nun mal immer noch herrschen, ein Freigeist wie ich viel zu unbequem für die Besetzung einer übergeordneten Führungsposition wäre.


Empfandest du das Leben als angestellte, berufstätige Mutter eher als Doppelbelastung oder als
Erfüllung?


Absolut erfüllend! Ich konnte immer auf die Unterstützung meines Mannes, meiner Eltern und Freunde zählen, von dahinein konnte auch immer jemand einspringen, wenn es mal eng wurde. Bei uns zu Hause sieht es halt nicht aus, als wäre es unbedenklich, vom Boden zu essen – und wer aufräumen möchte, kann es gerne tun. Mein Perfektionismus hat sich während der Elternzeit in Luft aufgelöst, penibel bin ich nur noch bei meiner Arbeit.

Du hast später sogar noch neben deiner Arbeit 3 Jahre lang studiert...

Und was hat es mir Freude bereitet! Ich habe eben erst spät verstanden, das Lernen unheimlich befriedigend sein kann – und heute ist für mich ist studieren und lernen das, was für andere ein Ausgleichssport ist. Natürlich war es zwischendurch nicht leicht, den inneren Schweinehund zum Lernen zu überreden und mit dem Prüfungsdruck habe ich gegen Ende ganz schön gekämpft. Und weißt Du, was absolut unbezahlbar an der ganzen Geschichte ist? Meine Kinder haben diese ganze Entwicklung live miterlebt und sind richtiggehend stolz auf das, was ich kann und was ich mache.

 
Wann kam dir die Idee der Selbstständigkeit? Gab es einen bestimmten „Auslöser“ oder war das
eher ein schleichender Prozess?


Das ging vonstatten wie das langsame Sterben einer Beziehung weil man einfach keine gemeinsame Kommunikationsebene mehr findet: das Betriebsklima veränderte sich überall, weil der Verkaufsdruck ständig erhöht wurde. Die Intention, in der Gesamtbank die Fachkompetenz dem Verkaufstalent unterzuordnen, widerte mich an. Jede angekündigte Veränderung stellte sich als Viehtrieb in die immer gleiche Richtung heraus und es wurden aus meiner Sicht immer mehr sinnlose und/oder unethische Entscheidungen auf Führungsebene getroffen, die ich nicht mittragen konnte. Eines schönen Nachts machte ich einfach Schluss mit der Bank – und reichte dann die Kündigung ein. Es war eine gute Zeit zum Leben und Lernen gewesen, ich war jetzt über meinen Meister herausgewachsen.

Von der 1. Idee bis zur Umsetzung ­ wie lange hat es gedauert und was hat dir den Mut zur Realisierung gegeben?

Das ging – für Bankerverhältnisse!- ­ sehr schnell. Ich las im Sommer 2009 das erste Mal etwas über Honorarberatung, im Herbst habe ich angefangen, den Businessplan zu schreiben und meinen letzten Arbeitstag hatte ich am 01. Februar 2010. Ganz offiziell lebt die geld.wert finanzbildung GmbH seit April 2010, in meiner Branche gibt es ja unzählige bürokratische Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Ich brauchte also weniger Mut, sondern vielmehr starke Nerven!
Diese Zeit ist im Rückblick für mich ein einziger „Flow“: die Aussicht, auf eigenen Füssen zu stehen und Finanzberatung so machen zu dürfen, wie sie gemacht werden sollte, hat mich getragen. Ich wollte die Welt verbessern und das war meine Gelegenheit dazu!   


Welche großen Hürden musstest du nehmen und wie ist es dir geglückt?


Die bürokratischen Hindernisse hatte ich ja bereits erwähnt – aber die kosten ja nicht viel, außer
Zeit und Nerven...
Ansonsten kämpfte ich den üblichen Existenzgründungskampf. Wenn mir nochmal jemand erzählt, es dauert 3 Jahre, bis man aus den roten Zahlen raus ist, den beiße ich in den Popo.
Jetzt, nach vier Jahren, beginne ich langsam zu glauben, dass ganz hinten am Horizont ein Lichtstreifen zu erkennen ist...
Die allergrößte Hürde, die ich immer wieder zu überwinden habe, bin ich selbst: von Selbstzweifeln bis zu Faulheitsanfällen ist alles dabei. Das ständige Hinterfragen, über Grenzen gehen und Weiterentwickeln ist manchmal ermüdend. Und: warum können die Menschen nicht einfach morgens aufwachen und von selbst wissen, dass ich die bestmögliche Wahl für sie bin? ;­-)

 
Gab es je einen Punkt, an dem du dich in dein altes „Angestellten-­Leben“ zurückgewünscht hättest?

Nein.

Was schätzt du an deiner Selbstständigkeit am Meisten?


Zu sehen, was meine Arbeit bewirkt, welche Prozesse – gerade mit der Finanzbildung – ausgelöst werden: es gibt nicht viel Schöneres, als anderen Menschen beim Wachsen und Werden behilflich sein zu dürfen.

 

Gibt es etwas, dass du rückblickend anders machen würdest?

Nein. Aus der jetzigen Rückschau war alles wichtig (auch wenn manche Sachen krasse Fehlentscheidungen waren) um mich dahin zu bringen, wo ich heute bin. 
Hast du einen guten Rat für Mütter, die auch mit dem Gedanken  an ein eigenes Unternehmen spielen?

Einen? Tausende!
Nein, Scherz beiseite. Ich finde es ganz wichtig, den Businessplan selbst zu schreiben, zumindest den ausformulierten Teil (die Zahlen sind eh Makulatur). Wenn der Schriftteil unter 30 Seiten lang ist, ist die Geschäftsidee nicht genug von allen Seiten beleuchtet und durchdacht. Außerdem: sucht Rat und Tat von außen – aber prüft ganz genau, auf wessen Stimme ihr hört. Ein wirklich gutes Netzwerk bietet objektive Draufsicht und ist oftmals mehr wert als ein Unternehmensberater.



Was wünschst du dir beruflich und privat für die Zukunft?


Beruflich: Ausgebuchte Workshops und noch viel mehr Kunden, die mit meiner Hilfe ihre Ziele erreichen. Außerdem hätte ich gerne ein paar Kollegen in die Firma aufgenommen, die mit mir das Konzept Finanzsouveränität in die Welt hinaustragen. Und (mein ganz persönlicher kleiner Luxus­Wunsch): eine Person, die es liebt, meine Briefe zu schreiben, Research zu betreiben und die Buchhaltung zu führen!
Privat: Gesundheit! Gelegenheiten für Fortbildungen und Reisen. Viel Qualitätszeit mit meiner Familie und Freunden.

Vielen Dank für deine offenen Antworten! Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass sich all diese Wünsche erfüllen und du mit deinem Konzept den Erfolg hast, den es verdient!

Mehr zu Anettes Dienstleistungen findet ihr auf ihrer Homepage http://blog.geldwert-finanz.de

Tel: 0681/396 16 15
E-Mail: info@geldwert-finanz.de