Montag, 13. Mai 2013

Kindergarten

Glucke oder Rabenmutter?



Ich weiss, es gibt genügend Mütter die bereits ab dem vierten Schwangerschaftsmonat sämtliche Kitas abklappern und sich überall auf die Warteliste setzen lassen. Was wahrscheinlich auch nötig ist in den meisten Städten, wenn man nicht vor hat eine 5-jährige Berufspause einzulegen.
Die Schwierigkeit ums Thema Kinderbetreuung besteht heutzutage aber nicht nur darin, einen Kindergarten zu finden, der den persönlichen Ansprüchen genügt und dann in diesem auch noch einen Platz zu bekommen.
Da gibt es eine Sache, die uns die ganze Schwangerschaft über nicht mal in den Sinn kommt. Die Meisten trifft die Realität eiskalt und überraschend, da sie beim ersten Kind niemand aufklärt. 
Als wäre unsere Situation nicht schon schwierig genug, werden wir als Mutter eines Kindergarten-Kindes auch noch ständig mit dem Urteil anderer konfrontiert.

Hat man sich erstmal aus freien Stücken oder auch gezwungenermaßen (Beruf) für einen Zeitpunkt entschieden, an dem man mit der Eingewöhnung beginnen möchte, ist man schnell Zielscheibe für zahlreiche Familienangehörige, Nachbarn, bekannte sowie unbekannte Frauen (Mütter wie Nicht-Mütter) die ihre Meinung dazu entweder offen oder hinter dem Rücken der Verurteilten ungebeten kundtun. Was einem da lieber ist, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Leute beobachten ist nicht nur im New Yorker "Street Theatre" schwer angesagt
Wartet man zu lange, ist man die Glucke, die viel zu lange alleine mit dem Kind zu Hause sitzt und ihm auf diese Weise eine pädagogische Offenbarung sowie den sozialen Umgang mit anderen Kindern verwehrt (richtet schon mal ein Sparkonto für die späteren Sitzungen beim Psychater ein). Dass dies total verantwortungslos ist da es zu späteren Anpassungsstörungen, Einsamkeit, Schwierigkeiten mit regelkonformen Verhalten und sonstigen Störungen führt muss ich an dieser Stelle keinem sagen. Man wird die Einzelheiten noch von genügend selbsternannten Hobby-Psychologinnen erläutert bekommen.

Ist man zu schnell, liegt das offensichtlich daran, dass man entweder karrieregeil oder mit den mütterlichen Pflichten überfordert ist (abhängig von Hausfassade und/oder gefahrener Automarke). Das arme Kleine wird einfach aus seinem vertrauten Umfeld herausgerissen, und einer lieblosen Umgebung mit (viel zu vielen) anderen Kindern ausgeliefert. Die Krone setzen dem Ganzen die unmotivierten Betreuerinnen (viel zu wenig) auf, die die mütterliche Face-to-Face Interaktion auf keinen Fall ersetzen können. Und gerade das ist doch der Grundstein. Für die frühkindliche Entwicklung. Das Urvertrauen. Eine glückliche Kindheit. Das ganze Leben überhaupt (ich möchte an dieser Stelle nochmal an das Sparkonto erinnern).

Es gibt keine Möglichkeit, das Ganze zu umgehen. Spätestens ab dem 1. Geburtstag werdet ihr laufend im Supermarkt, Fitnessstudio, beim Bäcker oder sonstwo angesprochen ("Du bist ja sicher noch zu Hause, oder?"/"Aaach, du arbeitest noch nicht?!" ). Findet euch lieber schon mal damit ab, dass ihr euch ständig für eure Entscheidung, wie auch immer sie ausgefallen ist, rechtfertigen müsst. Und hier kommt auch schon die nächste Hürde: Man darf auf keinen Fall durch geschickt gestellte Fragen in den Verteidigungs-Modus schalten und sich dazu hinreissen lassen, Gründe, Umstände und private Details preiszugeben. Wer schon mal auf dem Spielplatz war und in den Genuss kam, dem Gespräch einer Grupper frustrierter Hausfrauen zuzuhören, weiss warum.

An das be- und verurteilt werden könnt ihr euch dann direkt gewöhnen, denn auch im Kindergarten selbst wird alles gescannt und bewertet ("...hatte bei DEM Wetter keine Mütze an...", "...eine MILCHSCHNITTE in der Vesperbox", "...bringt mit drei IMMER NOCH seinen Schnuller mit" ...).

Man sollte sich immer ins Gedächtnis rufen, dass der Gesprächspartner weder Psychologe, noch ernsthaft am Kindeswohl interessiert ist. Stattdessen geht es ihm nur darum festzustellen, dass der eigene Erziehungsstil der Beste und einzig wahre ist. Es gibt Mütter, die so überzeugt davon sind, ihren Sprösslingen in Birkenstoks die ultimative Kindheit zu bescheren, dass sie einem gerne das Gefühl vermitteln, mit seinen High Heels direkt der Hölle entstiegen zu sein.
Es gibt nur einen Weg, sich in diesem Schlachtfeld möglichst wohl zu fühlen: einfach alles genauso zu machen, wie man es selbst für richtig hält. Versucht nicht, fremden Ansprüchen zu genügen oder die Erwartungen anderer zu erfüllen. Schaffen könnt ihr es sowieso nicht denn es geht, wie gesagt, sowieso nur darum, das Haar in der Suppe zu finden.

Solange man die Wahl hat, kann man eigentlich nur alles falsch machen. Aber solange man die Wahl hat, kann man auch genau das tun, wovon man selbst überzeugt ist. Und wenn man sich das vor Augen hält, kann man ganz schön glücklich sein.






Kommentare:

  1. Sehr schön zusammengefasst. Ich werde mir die größte Mühe geben in 5 Monaten zu den Rabenmüttern zu gehören. Ich hoffe doch die direkte Diskussion bleibt mir erspart ...

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    1. Hihi jetzt bin ich aber gespannt...blieb sie dir denn erspart ;-)?! (Ich wünsche es dir von Herzen!)

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  2. Sehr toller Beitrag, musste lachen und ich versteh es voll und ganz was Du meinst.Diese netten überflüssigen Fragen und Ratschläge obwohl man den Satz, den man gerade gesagt hat, mit einem Punkt und nicht mit einem Fragezeichen beendet hat.Wir haben für das nächste 1 1/2 Jahr eine Tagesmutter und ich finde das ist irgendwie was von Beidem :-)....liebe Grüße

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    1. Da bin ich erleichtert, dass nicht nur ich ein solch fragwürdiges Verhalten beobachten muss ;-).
      Ich bin mir sicher, du hast die optimale Entscheidung für deine Familie und dich getroffen und wünsche dir, dass du glücklich damit bist und dich nicht von ungebetenen Ratschlägen zu Selbstzweifeln verleiten lässt :-)!
      Liebe Grüsse

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